Die Gewalt an Kölner Schulen nimmt zu. Die Statistik der Polizei ist besorgniserregend.
Zahlen sind besorgniserregendGewalt in Kölner Schulen nimmt zu – Täter immer jünger

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Jugendliche prügeln sich auf dem Schulhof (Symbolfoto)
Pfefferspray, Prügel, Messer – Gewalt an Kölner Schulen hat ein neues Level erreicht. Und die Täter sind oft noch Kinder.
Allein im Frühjahr 2025 gab es drei Pfefferspray-Attacken an Kölner Schulen. Innerhalb von nur zwei Wochen.
Gewalt an Kölner Schulen nimmt zu
Im Berufskolleg Humboldtstraße wurden mehr als 20 Schüler verletzt. Kurz davor traf es die Europaschule in Zollstock: Ein Streit zwischen einem 16-Jährigen und einer Gruppe Jugendlicher eskalierte – der 16-Jährige wurde mit Pfefferspray und Schlägen attackiert und setzte das Spray schließlich selbst ein. Neun Kinder mussten ins Krankenhaus. Fünf Tage später: Reizgas am Erich-Kästner-Gymnasium in Niehl.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt es ganz deutlich: 2020 wurden in Köln 97 Gewaltdelikte mit Tatort „Schule“ (heißt, direkt dort oder im Umfeld) erfasst. 2021 waren es 112. Dann der Sprung: 2022 plötzlich 256 Fälle. 2023 sogar 306. Seitdem pendelt die Zahl – 300 im Jahr 2024, 296 im Jahr 2025. Bis Ende Februar 2026 sind bereits 41 Fälle registriert.
Dreimal so viele Fälle wie vor sechs Jahren. In derselben Stadt, an denselben Schulen.
Auch beim Einsatz von Waffen – Messer, Schlagwerkzeuge, Reizstoffsprays – zeigt die Statistik eine klare Richtung: 2020 vier Fälle, 2021 und 2022 je sieben, 2023 elf. Zwar sank die Zahl 2024 auf fünf und stieg 2025 wieder auf sieben – doch das Niveau liegt deutlich über dem von vor der Pandemie.
Die Täter werden immer jünger
Das Erschreckendste steckt nicht in den Gesamtzahlen – sondern darin, wer hinter den Taten steckt.
2025 zählte die Polizei 350 Tatverdächtige im Bereich Schulgewalt in Köln. Davon: 167 Kinder, 145 Jugendliche, 11 Heranwachsende, 27 Erwachsene. Bis Ende Februar 2026 sind bereits 33 tatverdächtige Kinder erfasst – bei nur zwei Erwachsenen.
2021 waren noch 34 Prozent der Tatverdächtigen Kinder. 2025 sind es 47 Prozent.
Markus Jansen leitet seit acht Jahren die Henry-Ford-Realschule in Seeberg – eine der zwei Kölner Schulen, die an einem Pilotprojekt mit Polizeipräsenz auf dem Schulhof teilnimmt. Er beobachtet das, was die Statistik bestätigt: Ein bis zweimal im Monat gibt es ernste Prügeleien. „Es geht meist um Konflikte, die mit einer Beleidigung beginnen und dann eskalieren.“
Und dann sagt er etwas, das vieles erklärt: „Viele haben Probleme damit, mit Kritik umzugehen. Aber das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das nicht nur die Schule betrifft.“
Viele Jugendliche erleben Gewalt durch ihre Eltern
Clemens Kroneberg, Soziologie-Professor an der Uni Köln, forscht aktuell zu Jugendkriminalität – und seine Zahlen sind eindeutig. Rund 30 Prozent der befragten Jugendlichen haben in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Straftat begangen. Weniger als im Vorjahr – aber deutlich mehr als vor der Pandemie.
Und zuhause? Rund 20 Prozent der Jugendlichen gaben an, von den Eltern geschlagen worden zu sein. Wer Gewalt kennt, gibt sie weiter. Dazu kommt ein schwindendes Unrechtsbewusstsein. Social Media macht’s möglich: Auf TikTok gibt’s Likes statt Konsequenzen. Weniger als 20 Prozent der Schüler finden es schlimm, keine Hausaufgaben zu machen. Lehrkräfte beleidigen? Für viele ein Kavaliersdelikt.
Corona hat sein Übriges getan. Wer jahrelang kaum Gruppenerfahrungen macht, lernt nicht, Konflikte auszuhalten – und nicht, Impulse zu kontrollieren.
Das NRW-Schulministerium fördert Schulsozialarbeit seit 2022 mit 57,7 Millionen Euro. Neu: Schulleitungen dürfen Schüler künftig bis zu vier Wochen vom Unterricht ausschließen, wenn eine ernste Gefährdung droht. Ein Pilotprojekt läuft bereits an 20 NRW-Schulen: Polizisten gehen in den Unterricht, zeigen Präsenz auf Schulhöfen, führen „Pausengespräche“. Lehrkräfte werden in Deeskalation geschult. In Köln machen das Genoveva-Gymnasium in Mülheim und die erwähnte Henry-Ford-Realschule in Seeberg mit.
Anne Deimel, Landesvorsitzende des Lehrerverbandes VBE NRW, fordert mehr: kleinere Klassen, mehr Personal, individuelle Förderprogramme. Ihr Satz ist kurz und klar: „Jede Tat ist eine zu viel.“
Kroneberg bremst die Alarmstimmung: „Die Zahlen zeigen einen besorgniserregenden Trend, sind aber kein Grund für eine Alarmstimmung.“ In den Nuller-Jahren sei Jugendkriminalität noch weiter verbreitet gewesen als heute. Aber der Trend zeigt nach oben. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
