Der erste Corona-Hotspot in NRW war ein kleiner Ort. Dann erfasste das Virus das ganze Land. In der Pandemie starben mehr als 32.000 Menschen an oder mit Corona.
Vor fünf JahrenBeginn von Corona: „Keiner will so etwas nochmal durchleben“
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Copyright: Rolf Vennenbernd/dpa
Die Corona-Pandemie begann vor fünf Jahren, die erste Lockdown-Maßnahme ergriff am Anfang der Kreis Heinsberg, der Schulen und Kindergärten schloss.
Einer der ersten bekannten Corona-Hotspots in Deutschland vor fünf Jahren war der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen. Der Kreis an der Grenze zu den Niederlanden wurde damals in einem Atemzug mit Ausbruchsorten in China und Italien genannt, erinnert sich der Heinsberger Landrat Stephan Pusch. „Warum poppt das ausgerechnet bei uns auf?“, sei seine erste Reaktion gewesen, erinnert sich der Landrat im Gespräch mit der „Aachener Zeitung“.
Eine Karnevalssitzung im Februar 2020 in der Kleinstadt Gangelt war der Ausgang. Nachdem zwei Corona-Infektionen bestätigt waren, griff der Kreis zu bis dahin unbekannten radikalen Maßnahmen: Über Nacht wurden Schulen, Kindergärten und Altenheime dichtgemacht. Das war an Aschermittwoch 2020. Aber schon einen Tag später wurden 20 Infizierte gemeldet, etwa tausend Menschen waren sicherheitshalber in Quarantäne. Das Virus ließ sich nicht mehr stoppen und verbreitete sich rasant.
Pusch erinnert sich, dass alle Welt damals auf die ländliche Gegend blickte mit den „Aussätzigen aus Heinsberg“. Lieferanten wollten nicht hinfahren, es gab Anfeindungen. Dann machte die Pandemie den Politiker mit dem rheinischen Zungenschlag zu einem bekannten Mann. Er erklärte in den sozialen Medien die Arbeit des Krisenstabs, sprach Klartext und machte Mut.
Erste Todesfälle
Am 9. März 2020 starben erstmals in Nordrhein-Westfalen zwei Menschen nach Erkrankungen mit dem Coronavirus. Bis Ende Februar 2023, dem offiziellen Ende der Pandemie, wurden insgesamt 32.147 Todesfälle an oder im Zusammenhang mit Covid-19 in NRW gezählt.
Das erste Todesopfer war eine 89-jährige Frau aus Essen, die seit Anfang März in der dortigen Universitätsklinik behandelt wurde. Kurz darauf starb ein 78-jähriger infizierter Mann aus Gangelt an Herzversagen. Er hatte unter Vorerkrankungen gelitten und war drei Tage zuvor ins Krankenhaus gekommen.
Täglich die Kapazitäten angepasst
An der Uniklinik Essen habe die Klinikleitung relativ schnell auf die neuen Anforderungen reagieren können, berichtet der Direktor der Klinik für Intensivmedizin, Thorsten Brenner. Man habe täglich die Kapazitäten angepasst und geschaut, wie viele nicht ganz so eilige Eingriffe bei Patienten verschoben werden mussten.
Eine besondere Herausforderung sei die Corona-Pandemie für die Mitarbeiter auf der Intensivstation gewesen. Sie seien immer wieder mit Situationen zwischen Leben und Tod konfrontiert gewesen - etwa wenn Patienten, die zunächst noch wach und ansprechbar waren, wegen fortschreitender Symptome ins künstliche Koma verlegt werden mussten.
„Bevor wir die Patienten in Narkose versetzt haben, haben wir sie natürlich noch mit ihren Angehörigen telefonieren lassen. Und bei vielen Patientinnen und Patienten haben die Kolleginnen und Kollegen vielleicht geahnt: Es wird das letzte Telefonat sein.“ Normalerweise seien die Angehörigen in solchen Grenzsituationen vor Ort auf der Station und würden ganz eng eingebunden - aber durch die strengen Besuchsverbote zu Beginn der Corona-Zeit hätten die Teams auf den Intensivstationen auch vieles im persönlichen Kontakt mit den Patienten auffangen müssen.
Falls noch einmal eine Pandemie ausbrechen sollte, wäre das Gesundheitssystem durch die Corona-Erfahrungen sehr gut vorbereitet, ist Brenner sicher. „Die Konzepte liegen jetzt in der Schublade.“ Doch zugleich hätten Ärzte und Pflegeteams gehörigen Respekt vor so einer Lage. „Keiner will so etwas nochmal durchleben“, betont der Intensivmediziner. (dpa)