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„Sollte es besser wissen“Star-Architekt Libeskind mit Warnung an Deutschland

Daniel Libeskind

Copyright: Kay Nietfeld/dpa

Berühmter Architekt: Daniel Libeskind.

Er entwirft Welt-Bauten, aber hat kein Haus für sich selbst

Weltbekannte Bauwerke sind sein Markenzeichen. Der Architekt Daniel Libeskind ist berühmt für seine unverwechselbaren Entwürfe mit gekippten Wänden und scharfen Kanten. Aber das große Rätsel: Für sich privat hat er noch nie etwas entworfen. „Ich sollte das eines Tages mal machen“, sagt der Wahl-New-Yorker, der am Dienstag (12. Mai) seinen 80. Geburtstag feiert. Und warum bisher nicht? „Wer hat denn Zeit für sowas? Das ist zu viel Luxus.“

Seine Bauten sind unverkennbar. Ein Paradebeispiel ist die Erweiterung des Jüdischen Museums in Berlin. Die zackige Form gleicht aus der Luft einem Blitzschlag. Im Inneren machen düstere Betonschleusen die schreckliche Leere greifbar, welche der Holocaust zurückließ.

Seine Handschrift: Von New York bis Lüneburg

Nach den Terrorattacken vom 11. September 2001 entwarf Libeskind den Bebauungsplan für Ground Zero in New York. In Dresden versah er das Militärhistorische Museum mit einem Keil, der kühn aus dem Bauwerk herausragt. Für die Leuphana Universität im niedersächsischen Lüneburg entwarf er ein Hauptgebäude, das wie von einem anderen Stern wirkt.

Daniel Libeskind

Copyright: Philipp Schulze/dpa

Wie aus einer anderen Welt: das Zentralgebäude der Leuphana Universität. (Archivbild)

Wer Daniel Libeskind persönlich begegnet, erlebt eine Überraschung. Er spricht kaum über das Konstruieren. Seine Themen sind die Gesellschaft, die Politik, die Risiken durch Algorithmen sowie Denker und Kunstschaffende. Auch heute noch nimmt er neue Vorhaben in Angriff. Furcht vor einer leeren Seite kenne er nicht, so Libeskind. Eine gute Vorbereitung sei aber alles. „Das Leben selbst muss einen auf das Projekt vorbereiten.“

Eine Kindheit, die alles prägte

Seine Biografie erklärt vieles. Sein Weg zum Architekten sei vorbestimmt gewesen, berichtet Libeskind. Er kam im polnischen Lodz in einer Behelfsbleibe zur Welt, seine Eltern waren Überlebende des Holocaust. Die Familie siedelte später nach Israel und dann in die New Yorker Bronx um. Ohne ein richtiges Heim aufzuwachsen – das sei die eigentliche Befähigung für seinen Beruf.

Daniel Libeskind

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Der Erweiterungsbau des Jüdischen Museums in Berlin.

„Ich hatte nie das Ziel, mir selbst ein Luxushaus zu bauen“, erklärt Libeskind gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Ihm und seiner vor 25 Jahren eingeweihten Museumserweiterung ist jetzt die neue Schau „Between the Lines“ im Jüdischen Museum gewidmet. Wer durch den zeitgenössischen Anbau geht, über geneigte Böden und entlang gekippter Wände, dessen Wahrnehmung der Welt verändert sich.

Deutliche Worte zur Politik: „Gefährliche Zeit“

Libeskind, der seit 57 Jahren mit seiner Frau Nina liiert ist und eine auffällige Brille trägt, scheut keine politischen Aussagen. Er hat klare Ansichten, zum Beispiel zur Situation in den USA. Das Verhalten von Präsident Donald Trump sei autoritär. „Die Demokratie wird Tag für Tag zerstört. Es ist eine sehr gefährliche Zeit in Amerika, und wir alle müssen etwas tun, um sicherzustellen, dass es nicht dazu kommt, dass Amerika zu einem weiteren Imperium mit einem Pharao wird.“

Daniel Libeskind wird 80

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Libeskind: Menschen müssen die Demokratie verteidigen.

Unwahrheiten seien für viele zur Gewohnheit geworden, während Algorithmen sowie Künstliche Intelligenz (KI) immer mächtiger würden. „Die Einsamkeit ist größer geworden, weil Menschen nicht miteinander interagieren, sie interagieren mit Bildschirmen.“

Mit großem Unbehagen blickt Libeskind ebenso auf die politischen Tendenzen in Deutschland. „Dieses Land hat unter dem Nazi-Regime gelebt und sollte es besser wissen“, sagt er. „Wenn ich einige Reden der AfD lese und deren Haltung zur Geschichte betrachte, sollte das die Menschen zutiefst beunruhigen.“ Seiner Ansicht nach müssen die Bürgerinnen und Bürger die Demokratie entschlossener schützen.

Seine Bauwerke sollen auch Zuversicht spenden und demonstrieren, dass Wandel möglich ist. Die Baukunst, so Libeskind, ist eine gewaltige Kunstgattung, da sie ohne Worte auskommt. Ihre Kommunikation findet auf einer elementaren Ebene statt. (dpa/red)

Und der private Wohnort des Mannes, der mit seinen Entwürfen die Welt formt? Er lebt im New Yorker Viertel Tribeca in einem dreiseitigen Bauwerk aus dem Jahr 1900. Aus dem Fenster, so berichtet er, blicke er auf die volle Herrlichkeit der Metropole. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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