„Dying for Sex“ mit Michelle WilliamsWie begegnet man dem Tod?

Molly (Michelle Williams, links) ist unheilbar an Krebs erkrankt. Sie verlässt ihre unglückliche Ehe und begibt sich - nach einer wahren Geschichte - auf eine sexuelle Erlebnisreise. Begleitet wird sie von ihrer Freundin Nikki (Jenny Slate). Die achtteilige Disney-Serie beruht auf dem Podcast „Dying for Sex“. (Bild: Sarah Shatz/FX)

Molly (Michelle Williams, links) ist unheilbar an Krebs erkrankt. Sie verlässt ihre unglückliche Ehe und begibt sich - nach einer wahren Geschichte - auf eine sexuelle Erlebnisreise. Begleitet wird sie von ihrer Freundin Nikki (Jenny Slate). Die achtteilige Disney-Serie beruht auf dem Podcast „Dying for Sex“. (Bild: Sarah Shatz/FX)

Erzählt wird die wahre Geschichte von Molly (Michelle Williams), die unheilbar an Krebs erkrankt ist. Begleitet von ihrer Freundin Nikki (Jenny Slate) begibt sie sich auf eine sexuelle Erlebnisreise. Die eindrucksvolle Miniserie (ab 4. April, Disney) entstand nach dem gleichnamigen Podcast „Dying for Sex“.

Als sie erfährt, dass sie in absehbarer Zeit an Krebs sterben wird, verlässt Molly ihren Mann und beginnt intensiv mit dem Online-Dating. Ihr Ziel: sexuelle Erlebnisse, die sie sich bis jetzt verwehrte. (Bild: Sarah Shatz/FX)

Als sie erfährt, dass sie in absehbarer Zeit an Krebs sterben wird, verlässt Molly ihren Mann und beginnt intensiv mit dem Online-Dating. Ihr Ziel: sexuelle Erlebnisse, die sie sich bis jetzt verwehrte. (Bild: Sarah Shatz/FX)

Mehr als fünf Millionen Menschen hatten bereits ein Jahr nach dem Tod von Molly Kochan den Podcast über deren Sterben heruntergeladen. Die 45-Jährige erlag 2019 ihrem Brustkrebs. Nachdem sie ihre Diagnose 2015 erhalten hatte, verließ sie ihre unglückliche Ehe, um sich auf eine sexuelle Erlebnisreise zu begeben. Die Geschichte jener Reise erzählt nicht nur der Podcast „Dying for Sex“, sondern ab 4. April (alle acht Folgen verfügbar) auch die gleichnamige Disney-Serie. In den Hauptrollen: die fünffach oscarnominierte Michelle Williams (“Die Fabelmans“) als Molly und Jenny Slate (“It Ends With Us“) als Nikki.

Molly (Michelle Williams) ist unglücklich in ihrer Beziehung mit ihren überprotektiven Ehemann Steve (Jay Duplass). Als sie erfährt, dass ihr Krebs zurück ist, verlässt sie ihn - mit einem klaren Ziel: all jene sexuellen Erfahrungen nachholen, die sie bis jetzt verpasst hat.  (Bild: Sarah Shatz/FX)

Molly (Michelle Williams) ist unglücklich in ihrer Beziehung mit ihren überprotektiven Ehemann Steve (Jay Duplass). Als sie erfährt, dass ihr Krebs zurück ist, verlässt sie ihn - mit einem klaren Ziel: all jene sexuellen Erfahrungen nachholen, die sie bis jetzt verpasst hat. (Bild: Sarah Shatz/FX)

Selten hat man eine Serie gesehen, die so gespaltene Emotionen hervorruft - was erst einmal für die Dramedy von Kim Rosenstock (“Only Murders in the Building“; „Glow“) und Elizabeth Meriwether (“New Girl“) spricht. Dennoch wird nicht jeder die Überdrehtheit sowie den Tanz auf der dramaturgischen Rasierklinge zwischen sonderbar-witzigen Sexspielen und dem Todeskampf zweier Freundinnen genießen können. Eine der besonderen Serien des Jahres 2025 ist „Dying for Sex“ aber dennoch.

Im Monty-Python-Film „Der Sinn des Lebens“ gibt es einen legendären Sketch, in dem der Tod in Gestalt des Sensenmannes eine Dinnerparty stört. Während Mr. Death den anwesenden Ehepaaren in wenigen Worten klarmachen will, dass sie mitzukommen haben, beschwert sich der britische Gastgeber über die Unhöflichkeit des knochigen Gastes. Derweil zeigt sich ein Amerikaner in der Runde begeistert vom spannenden Besuch. Unter anderem will er wissen: „Is there an afterlife?“ - also: Gibt es ein Leben nach dem Tod. Mr. Death wird ungehalten und wirft dem gut gelaunten Fragensteller vor: „Ihr Amerikaner seid immer nur am Reden!“

Mr. Death wäre sprachlos gewesen

Mit ihrem grimmigen Nachbarn (Rob Delaney) hat Molly anfangs viele Probleme. Doch ihr Verhältnis erfährt eine unerwartete Wendung. (Bild: Sarah Shatz/FX)

Mit ihrem grimmigen Nachbarn (Rob Delaney) hat Molly anfangs viele Probleme. Doch ihr Verhältnis erfährt eine unerwartete Wendung. (Bild: Sarah Shatz/FX)

Nikki (Jenny Slate), Mollys beste Freundin, ist eine etwas überdrehte Schauspielerin, die Probleme mit festen Beziehungen zu Männern hat. Als sie ihr Theater-Engagement verliert, kümmert sie sich in Vollzeit um ihre sterbende Freundin.  (Bild: Sarah Shatz/FX)

Nikki (Jenny Slate), Mollys beste Freundin, ist eine etwas überdrehte Schauspielerin, die Probleme mit festen Beziehungen zu Männern hat. Als sie ihr Theater-Engagement verliert, kümmert sie sich in Vollzeit um ihre sterbende Freundin. (Bild: Sarah Shatz/FX)

„Dying for Sex“ ist ein bisschen wie der Besuch von Mr. Death. Lange Zeit versuchen Molly und ihre Mitstreiter (darunter Sissy Spacek als Mutter und Esco Jouléy als Sterbebegleiterin/Sozialarbeiterin) dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. In den etwa halbstündigen Folgen hat Molly grotesk komische sexuelle Begegnungen oder erfährt ihren Körper auf andere Art neu. Dies kann man je nach Humorverständnis genial, anstrengend oder daneben finden. In den letzten beiden Folgen gehört die Serie jedoch mit zum Berührendsten, was man seit langer Zeit im Serienfernsehen gesehen hat.

Molly (Michelle Williams, rechts) und ihre Freundin Nikki (Jenny Slate) haben mal wieder einen Arzttermin. Wie schlecht werden die Nachrichten diesmal sein? (Bild: Sarah Shatz/FX)

Molly (Michelle Williams, rechts) und ihre Freundin Nikki (Jenny Slate) haben mal wieder einen Arzttermin. Wie schlecht werden die Nachrichten diesmal sein? (Bild: Sarah Shatz/FX)

Es ist durchaus ein Wagnis, das die renommierten Serienmacherinnen Rosenstock und Meriwether mit „Dying for Sex“ eingegangen sind. Nicht so sehr die Tatsache, dass sie einen erfolgreichen Podcast, dem auch noch ein posthum veröffentlichtes Buch von Molly Kochun folgte, zu einer TV-Serie machen. Dass TV-Kreative im Podcast-Erzählkosmos fischen ist längst üblich. Ebenso wie die Tatsache, dass Schlagworte wie Sex und Tod grundsätzliches Interesse hervorrufen. Was an der Serie teilweise anstrengend daherkommt, ist ihr Tonfall - am besten gespiegelt in der Figur von Erzählerin Nikki. Die überspannte Schauspielerin (in Wahrheit ist Nikki Boyer TV-Host und Produzentin) wäre genau jener Typ Amerikaner(in) gewesen, der Monty Pythons' Mr Death - zu Tode -genervt hätte: Jedes Gefühl, jede Wahrnehmung wird ausgesprochen, emotional hoch aufgeladen und einem in der Serie um die Ohren gehauen.

Wer von solch einer „It's amazing“-Begegnungskultur schnell genervt ist, wird in der top-besetzten Serie (Jay Duplass als Ex-Mann und Rob Delaney von „Catastrophe“ als Love Interest) mitunter leiden müssen. Wer es tut, sollte vielleicht überprüfen, ob die Dramedy über Sex und Sterben vielleicht einfach dem Podcastton entspricht - was die Macherinnen entlasten würde.

Dass Michelle Williams und Jenny Slate für „Dying for Sex“ durchaus mit renommierten TV-Preisen in Verbindung gebracht werden sollten, kann man - gerade in Amerika - dennoch erwarten. Zu ungewöhnlich, intensiv und streitbar ist diese Two-Women-Show. Vor allem aber muss man den Macherinnen zugutehalten, dass die letzten beiden Folgen der Miniserie komplett innehalten und die letzte Phase von Mollys und Nikkis Weg in beeindruckend sensibler Weise erzählen. Da wäre selbst Monty Pythons Mr. Death sprachlos gewesen. (tsch)