„Für mich und meine Band 'ne befremdende Nummer“: Udo Lindenberg bemerkt die Veränderung der politischen Landschaft inzwischen auch bei eigenen Konzerten. Dennoch will der Sänger mit möglichst allen Fans im Gespräch bleiben, wie er in einem Interview betonte.
Udo LindenbergBei „Bunte Republik Deutschland“ verlassen Fans seine Konzerte

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Udo Lindenberg macht sich Sorgen angesichts der weltpolitischen Lage. Der Sänger hinterfragt auch seine pazifistischen Überzeugungen. (Bild: Jens Schlueter / Getty Images)
Es sind herausfordernde Zeiten - ganz besonders für Menschen, die in den 70er- und 80er-Jahren pazifistisch sozialisiert wurden. So geht es dieser Tage Udo Lindenberg, wie er in einem Interview mit dem Magazin „stern“ offen einräumte: „In dieser verirrten Schwachmaten-Welt stellt man sich plötzlich die bange Frage: Müssen wir umdenken? Brauchen wir jetzt doch 'n starkes Militär? Nicht, um irgendwen anzugreifen, sondern um in der Lage zu sein, im Notfall das zu verteidigen, woran wir glauben: Demokratie, freies Denken, Weltoffenheit, sensibles Miteinander, freie Liebe, jeder nach seiner Fasson.“
Der 78-Jährige gab zu: Die Frage, „wie wir unsere freie Welt noch retten können und ob Worte und Songs und Kunst und Demos dafür ausreichen, oder ob wir uns tatsächlich auch militärisch wappnen müssten“, tue seiner „Pazifistenseele sehr weh“ und lasse ihn „manchmal gar nicht schlafen“. Der Sänger ist besorgt über „Vance, Musk, Putin und dazu noch unsere schlaffe Ampelregierung, um die herum die Rechtsextremen immer lauter werden“. Resignation verbiete sich jedoch.
Udo Lindenberg: „Bei erklärten Nazis gibt es nix zu reden, aber es gibt ja viele andere“
„Wir dürfen doch die nächste Generation nicht hängen lassen. Wir dürfen uns nie daran gewöhnen, dass die Welt mal wieder regiert wird von Schizomaten“, bekräftigte Lindenberg. Er ist überzeugt: „Irgendwann kommen auch wieder neue Leute mit unseren Idealen und Visionen für die bessere und fairere Welt von morgen.“
Dass sich der Wind politisch auch in Deutschland gedreht hat, bemerkt der Rock-Musiker inzwischen auch bei seinen Konzerten. „Spätestens, wenn wir 'Bunte Republik Deutschland' spielen, müssen auf einmal doch einige Leute kurz raus und neues Bier holen.“ berichtete Lindenberg im „stern“-Interview. „Das ist dann auch für mich und meine Band 'ne befremdende Nummer.“ Dennoch sei es ihm wichtig, auch mit Fans, die politisch anders denken, „im Gespräch und in Verbindung“ zu bleiben, „vor allem, je mehr polarisiert wird“.
Ausnahme: „Bei erklärten Nazis gibt es nix zu reden, aber es gibt ja viele andere, die muss man nicht gleich abtun als aussätzige Idioten. Man kann sie ja vielleicht wieder erreichen, auch mit guten Songs und smarten Texten. Man muss es zumindest versuchen.“ Denn, so Udo Lindenberg, eines müsse klar sein: „Naziland ist abgebrannt, und so muss das auch bleiben.“ (tsch)