Er hat Unterhaltungsgeschichte geschrieben: Karl Moik, Showmaster und der Erfinder des „Musikantenstadls“, starb vor zehn Jahren. Eine Erinnerung.
Vor zehn Jahren starb der „demokratische Diktator“ Karl Moik

Copyright: ORF / Milenko Badzic
Der Begründer des „Musikantenstadls“ starb am 26. März 2015 im Alter von 76 Jahren. (Bild: ORF / Milenko Badzic)
Sein Tod sorgte seinerzeit nicht nur in der Schlagerwelt für eine Schockwelle. Es war der 26. März 2015, in Oberwart im Burgenland wollten sie eigentlich ein schönes Fest feiern. Der „Musikantenstadl“ hatte in der Stadt gastiert, die Prominenz der volkstümlichen Musikszene war anwesend. Doch dann, kurz vor Beginn der ersten Proben, erreichte sie die schockierende Nachricht: Karl Moik, der den „Musikantenstadl“ 1981 ins Leben rief und bis 2005 moderiert hatte, war tot. Im Alter von 76 Jahren, hieß es in Medienberichten, sei er in einer Salzburger Klinik verstorben, wo er seit drei Wochen wegen Nierenproblemen stationär behandelt worden war. Die Unterhaltungsbranche war bestürzt, denn sie verlor einen der ganz Großen ihres Fachs.
Showmaster, Entertainer, Moderator, Produzent, Musikant, Sänger und Schauspieler: All das war Karl Moik, doch vor allem war er eine Persönlichkeit. Der geborene Linzer, der nach der Schule zuerst eine Lehre als Werkzeugmacher absolvierte, bevor er erst beim Radio, dann im Fernsehen Unterhaltungsgeschichte schreiben sollte, hinterließ einen tiefen Eindruck, wo immer er auftrat. Moik war ein solider Handwerker, aber ihn umgab auch immer eine besondere Energie, etwas Visionäres. Sein Lachen konnte Säle füllen. Wer je mit ihm sprach und in seine auch im Alter noch vor Begeisterung leuchtenden Augen sah, wenn ihn ein Thema so richtig gepackt hatte, bekam eine Vorstellung davon, wie es ihm gelingen konnte, die Vorderen des ORF und der ARD für sich und seine Konzepte einzunehmen.

Copyright: Spöttel Picture
Karl Moik und sein „Musikantenstadl“-Nachfolger Andy Borg verstanden sich bestens. Trotzdem schaute sich Moik die Sendung nach seinem Ausstieg nicht mehr an. (Bild: Spöttel Picture)
Es braucht zweifellos eine markante Persönlichkeit, um durch eine große Samstagabendshow mit all ihren Unvorhersehbarkeiten zu führen. Gleichzeitig darf der Gastgeber - gerade bei einer Traditionssendung - das Format aber nicht mit seiner Person übertönen. In der Fernsehgeschichte gab es immer wieder Moderatoren, die diesen Spagat so gut meisterten, dass ihr Name für immer mit der Show verknüpft blieb, mit der sie groß wurden. Hans Rosenthal und „Dalli Dalli“ ist eine solche Kombination, ebenso wie Kurt Felix und „Verstehen Sie Spaß?“. Natürlich auch Thomas Gottschalk und „Wetten, dass ..?“ Länger als jeder dieser Herren war aber Karl Moik seinem ureigenen Format treu. Ein Vierteljahrhundert lang hielt er beim „Musikantenstadl“, den er selbst aus der Taufe hob, die Zügel in der Hand.
Die Anfänge des „Musikantenstadls“

Copyright: ORF / Milenko Badzic
Eine volkstümliche Musiksendung des deutschsprachigen Raums zu Gast in China: Karl Moik und die chinesische Künstlerin Zhou Tao im „Musikantenstadl“ in Peking 1999. (Bild: ORF / Milenko Badzic)
2011 erinnerte sich Moik in einem Gespräch in München an die Anfänge des „Musikantenstadels“: „Ich hatte immer schon die Idee von einer Unterhaltungssendung mit volkstümlichen Musikanten.“ Als der ORF 1980 mit Harald Windisch einen neuen Unterhaltungschef bekam, wuchsen in Moik, damals Moderator der Radiosendung „Volkstümliche Hitparade“, die Hoffnungen. Seine Frau Edith gab letztlich den Ausschlag: „Jetzt rufst den Windisch an und gehst da hin“, habe sie ihm sanft aber bestimmt befohlen, erzählte Moik. So kam es, dass nach einem Telefonat im November 1980 prompt ein Chefetagen-Termin folgte. Moik sprach vor, im Gepäck gleich drei Konzepte: eine Frühschoppensendung, eine Evergreen-Show und den Musikantenstadl. Seine Knie, sagte er später, „schlotterten wie Scheibenwischer“.

Copyright: ORF / Milenko Badzic
Eine Erfolgsgeschichte und ihr Kapitän: Mit dem „Musikantenstadl“ war Karl Moik (hier vor dem Kreuzfahrtschiff „Carnival Triumph“) unter anderem in Peking, Moskau, Toronto, Dubai und Kapstadt zu Gast. (Bild: ORF / Milenko Badzic)
Heraus kam ein anderthalbstündiges Gespräch, an dessen Ende sich Windisch nach dem nächsten freien Livetermin erkundigt hat. Man ging auseinander mit dem für den 5. März 1981 fest geplanten ersten „Musikantenstadl“. Von Windisch, grinste Moik damals, habe er im Grunde nur eine Vorgabe mitbekommen: „Machen Sie mir eine Unterhaltungssendung ohne den Mief des Bierzeltes. Nu' ja, dann ha'mers halt gepackt.“ Einfach so. „Das kannst du dir heute gar nimmer vorstellen“, sagte Moik 2011, und wer hätte ihm widersprechen wollen.
Es folgten 25 Jahre „Stadl“, und 95 Prozent davon hätten aus „traumhaften Erlebnissen“ bestanden, schwärmte Moik. Eine Zeit voller Erlebnisse, für die andere vier, fünf Leben bräuchten, sei das gewesen, sagte er stolz und unterstrich bei der Gelegenheit gleich noch, dass es so etwas „überhaupt noch net geb'n“ hat: eine Unterhaltungssendung, die in allen fünf Kontinenten der Erde zu Gast war. Das reine Herzblut tropfte aus den Erinnerungen an seinen geliebten „Musikantenstadl“. 25 Jahre lang brachte er mit der ORF-Produktion die volkstümliche Musik in alle Welt, von Kanada bis nach China.
Moik war ein „demokratischer Diktator“
2005 dann die Zäsur. Nach einem Herzinfarkt und einem Schwächeanfall wurde Moiks in jenem Jahr auslaufender „Stadl“-Vertrag nicht verlängert. Die Nachfolge trat Andy Borg an, in der 145. Ausgabe der Sendung am 23. September 2006. Über seinen Abschied sagte Karl Moik: „Ich musste mich trennen und habe zwei Jahre gebraucht, um mich loszulösen.“ Zwei Jahre Trennungsschmerz - der „Musikantenstadl“ war Karl Moiks Leben. Deshalb schaute sich der zweifache Vater danach auch keine „Stadl“-Sendung mehr an.
Moiks Arbeitsweise, seine Selbstdisziplin und sein hoher Anspruch, waren sicherlich mitverantwortlich für den Erfolg, den der „Musikantenstadl“ in den ersten 25 Jahren hatte. „Wenn man auf die Bühne geht“, erklärte der gebürtige Linzer einmal, „muss man sich einer Sache bewusst sein: Es gibt kein schlechtes Publikum. Wenn jemand versagt, dann ist das der Mensch auf der Bühne. Ich versuche deshalb immer, das Publikum von Anfang an in der Hand zu haben. Auch an Tagen, an denen man nicht so gut drauf ist, muss das klappen. Der Mensch, der in die Show kommt, hat viel Geld bezahlt. Dafür muss er etwas kriegen. Deshalb kann ich mir auch nicht vorstellen, dass einer meiner Gäste nicht live spielt. Playback ist Betrug am Publikum! Wer nicht live spielen möchte, ist bei mir nicht dabei. Das geht nicht, das entscheide ich. Da bin ich ein demokratischer Diktator.“ (tsch)