Kurzfristige ModetrendsBlick in die Zukunft: Welche Mikrotrends erwarten uns?

Lässig gestylte Krawatten könnten dieses Jahr ihr Comeback feiern (Mantel ca. 900 Euro, Shirt ca. 200 Euro, Krawatte ca. 100 Euro, Jeans ca. 200 Euro).

Lässig gestylte Krawatten könnten dieses Jahr ihr Comeback feiern (Mantel ca. 900 Euro, Shirt ca. 200 Euro, Krawatte ca. 100 Euro, Jeans ca. 200 Euro).

Soziale Medien, allen voran Tiktok, sorgen für die schnelle Verbreitung von Mikrotrends in der Mode. Ein Ausblick, was uns in der kommenden Saison erwarten könnte.

Die Modewelt lebt von ständiger Veränderung, von großen Strömungen, die ganze Jahrzehnte oder Epochen prägen, bis hin zu kleinen, schnelllebigen Trends, die nur eine Saison lang für Furore sorgen. 

Was sind Makro- und Mikrotrends in der Mode?

Makrotrends beschreiben langfristige Entwicklungen, die oft durch gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen charakterisiert werden. „Häufig sind sie von Laufstegen oder internationalen Modemessen geprägt und umfassen Trendströmungen, die über einen längeren Zeitraum hinweg relevant bleiben“, so Madeline Dangmann, Senior Fashion Editor bei Glamour Germany.

Beispiele hierfür sind das Revival bestimmter Jahrzehnte wie der 70er-Jahre oder weit gefasste Stilrichtungen wie der sogenannte Office-Chic, der durch klare Linien, strukturierte Schnitte und neutrale Farben gekennzeichnet ist.

Im Gegensatz dazu konzentrieren sich Mikrotrends, die laut Dangmann oft nur eine kurze Lebensdauer haben, auf spezifische Modeelemente, Farben, Accessoires oder Styling-Ideen und sind oft stark von popkulturellen Phänomenen beeinflusst. So wie die „Brat“-Ästhetik, die durch das sechste Studioalbum der englischen Sängerin Charli xcx beeinflusst wurde. „Mikrotrends sind Zeugen einer immer schneller werdenden Modewelt“, erklärt Carl Tillessen vom Deutschen Mode-Institut (DMI).

Die Digitalisierung und der Boom von Ultra-Fast-Fashion ermöglichen es, dass sich solche Trends rasant verbreiten und umgesetzt werden können. Dabei tragen auch günstige Secondhand-Angebote dazu bei, dass die Trends überhaupt zugänglich sind. Tillessen beschreibt Mikrotrends als „spielerisch und unterhaltsam“ und vergleicht sie mit dem Charakter von „Mottopartys“. Das heißt, fast wöchentlich wird ein neues Motto ausgegeben und diejenigen, die Spaß daran haben, nehmen daran teil, indem sie das Motto für sich umsetzen oder sich entsprechend kleiden.

Soziale Medien als Motor für die Verbreitung von Mikrotrends

Die Verbreitung von Mikrotrends hängt heute stärker denn je von sozialen Plattformen wie TikTok oder Instagram ab. „Trends können über Nacht viral gehen, wenn sie von Influencern oder Personen des öffentlichen Lebens aufgegriffen werden“, erklärt Farb- und Stilberaterin Jasmin Link. 

Ein Paradebeispiel dafür war der „Barbiecore“-Trend, der durch den Erfolg des Barbie-Films 2023 ausgelöst wurde und weltweit für eine Welle pinkfarbener Outfits sorgte, so Dangmann. Oder Beyoncé, die mit ihrer Single „Texas Hold 'Em“ die „Cowboycore-Ästhetik“ verbreitet hat. Wodurch jetzt Kuhmuster angesagt sind.

Laut Carl Tillessen führt diese schnelllebige Dynamik im Extremfall jedoch auch dazu, dass viele Mikrotrends gar nicht mehr praktiziert oder tatsächlich gelebt, sondern lediglich „durchgehechelt“ werden. „Manche Trends bleiben rein theoretisch und existieren nur als Gesprächsthema auf Social Media“, erklärt der Experte. „Sie erreichen die Straßen gar nicht mehr, sondern erfüllen vor allem einen Unterhaltungszweck“.

Potenzielle Mikrotrends für die kommende Saison

Die Frage, welche Mikrotrends uns in den kommenden Saisons erwarten, lässt sich nur schwer mit Gewissheit beantworten. Sie entstehen oft kurzfristig und werden stark von aktuellen Ereignissen beeinflusst. Doch es zeichnen sich bereits einige Elemente ab, die in den Frühling und Sommer 2025 einziehen könnten.

Micro-Skirts

„Oft sind Mikrotrends extravagant oder herausstechend anders und daher so interessant“, so Jasmin Link. Einer der auffälligsten Mikrotrends, der in den kommenden Monaten deshalb weiterhin an Bedeutung gewinnen könnte, sind laut der Expertin Micro-Skirts – ultrakurze Röcke, die von der Ästhetik der 2000er-Jahre inspiriert sind. Sie werden häufig mit langen Mänteln, kniehohen Strümpfen oder Oversized-Blazern kombiniert, was einen spannenden Stilbruch erzeugt, erklärt Madeline Dangmann. 

Mikro-Shorts und Midi-Länge

Auch Mikro-Shorts, die mit unkonventionellen Details wie sichtbarer Unterwäsche oder heraushängenden Taschen versehen sind, könnten weiterhin in den Kollektionen zu finden sein und für Aufsehen sorgen. „Wer nicht so viel Bein zeigen will, kann aufatmen“, so die Expertin. Die Midi-Länge ist wieder im Kommen und total angesagt ebenso wie wallende Maxiröcke im Boho-Chic.

Lingerie Look

Ein weiterer Mikrotrend, der sich abzeichnet, ist die Integration von Lingerie in den Alltagslook. Kamisol Tops, Spitzen-BHs und Negligés werden gezielt sichtbarer getragen, wobei der Mix aus sinnlichen Materialien und sportlicher oder schlichter Kleidung einen interessanten Stilbruch erzeugt, so Dangmann.

„Dirty Denim“ und Krawatten

Abgenutzte Jeans mit einer bewusst schmutzigen Ästhetik – bekannt als „Dirty Denim“ – könnten sich laut Carl Tillessen in der Modewelt durchsetzen. Auch Krawatten könnten ein Comeback erleben, diesmal in lässigen Kombinationen mit T-Shirts oder sportlicher Kleidung, so der Experte.

Sportlich und elegant

Der Trend zum Stilbruch zwischen Sportlichkeit und Eleganz bleibt auch in diesem Jahr bestehen. Nachdem im vergangenen Jahr vor allem kurze Adidas-Sporthosen mit schicken Oberteilen wie beispielsweise Blusen kombiniert wurden, rückt nun verstärkt die sogenannte „Wrong Jacket Theory“ in den Fokus. Dabei werden sportliche Jacken mit eleganten Kleidern oder edlen Unterteilen kombiniert, erklärt Madeline Dangmann. (dpa)