Auf dieses Thema hatte Stefan Effenberg im Sport1-„Doppelpass“ schnell keinen Bock mehr. Doch Moderator Florian König wies seinen Experten in die Schranken.
Nach Funkel-Geständnis„Doppelpass“-Moderator weist aufmüpfigen Effenberg zurecht

Es war einer der Aufreger des 32. Bundesliga-Spieltags – auch wenn er am Ende ohne Folgen blieb. Jeanuël Belocians unfaire Bearbeitung des Elfmeterpunkts beim Spiel des VfL Wolfsburg gegen den FC Bayern München.
Des sicheren Stands beraubt verschoss Bayern-Star Harry Kane zum ersten Mal in der Bundesliga einen Strafstoß. Durch ein Tor von Michael Olise gewannen die Bayern am Ende trotzdem mit 1:0.
Funkel gesteht: „Habe ich früher auch schon mal gemacht“
Im Sport1-„Doppelpass“ wollte Trainer-Urgestein Friedhelm Funkel aus Belocians Aktion dann auch keinen Skandal machen. „Ich finde, das ist clever“, sagte er. „Natürlich mit einem Hang zur Unsportlichkeit, überhaupt keine Frage. Aber ich kann mich daran erinnern, dass ich das früher auch schon mal gemacht habe.“
Stefan Effenberg sah die Schuld sogar beim deutschen Meister. „Normalerweise stellst du immer ein oder zwei Spieler dorthin, um den Elfmeterpunkt zu schützen. Oder der Spieler selber, der antritt, checkt und kontrolliert nochmal alles. Also das war mit Sicherheit nicht clever von den Bayern“, sagte der frühere Profi, der ebenfalls nicht zu hart mit dem Wolfsburg-Profi ins Gericht gehen wollte: „Ich würde jetzt nicht sagen, grob unsportlich, es war unsportlich, aber mei ... selber schuld.“
Anschließend ging die Diskussion dahin, ob der ramponierte Elfmeterpunkt überhaupt der Grund dafür war, dass Kane verschossen hatte. „Sind jetzt diese zwei Schrittchen, die er da gemacht hat, und ein bisschen die Füße gedreht, ist das dafür ursächlich, dass Harry Kane mal einen vorbeischießt oder wäre das nicht sowieso irgendwann mal passiert?“, wollte Moderator Florian König wissen.
„Also, dass er wegrutscht, ist mir nicht ganz klar, aber irgendwas muss da gewesen sein“, sagte „Bild“-Journalist Alfred Draxler. „In der Bundesliga war es, glaube ich, im 25. Versuch jetzt der erste Fehlschuss. Normalerweise hat Harry Kane die Klasse, dass er den trotzdem versenkt“, meinte „Kicker“-Journalist Frank Linkesch. „Er hätte den Ball ja auch einen halben Meter weiter zurück hinlegen können“, warf Funkel ein.
Effenberg hatte zu diesem Zeitpunkt aber schon die Schnauze voll von dem Thema. „Aber jetzt mal bei der ganzen Diskussion: Wer hat gewonnen?“, stellte Effenberg eine rhetorische Frage, um nach einer kurzen Kunstpause hinterherzuschieben: „Nächstes Thema.“
Das wollte sich König so aber nicht bieten lassen. „Ich verstehe deinen Ansatz, aber Themen beende ich“, stellte der Moderator klar. „Seit wann?“, fragte Effenberg spöttisch. „Seit genau jetzt!“, erwiderte König. Anschließend übernahm er wieder das Kommando über die Sendung und leitete noch zu einer Stimme des Wolfsburgers Patrick Wimmer über, dessen Interview nach dem Spiel nun eingespielt wurde. „Das sind dreckige Aktionen, die man einfach da unten drin vielleicht auch ein bisschen machen muss“, rechtfertigte Wimmer die Tat seines Teamkollegen.
Und auch danach war das Thema trotz Effenbergs Forderung noch nicht ganz durch, denn Sport1 kramte zum Abschluss der Diskussion noch einmal die Bilder von Marwin Hitz aus dem Archiv, der 2015 beim Spiel des FC Augsburg beim 1. FC Köln den Elfmeterpunkt deutlich heftiger zertreten hatte als nun Belocian und damit dafür gesorgt hatte, dass FC-Stürmer Anthony Modeste sich auf dem rutschigen Platz auf die Nase legte.
„Der hat natürlich den Elfmeterpunkt schon anders traktiert“, sagte König schmunzelnd. „Und der Schiedsrichter stand direkt daneben“, so Sky-Kommentator Wolff Fuss etwas fassungslos. Im Anschluss an die Bilder, die vielen FC-Fans bis heute die Zornesröte ins Gesicht treiben dürften, war das Thema Elfmeterpunkt – sehr zur Freude von Effenberg – dann aber endgültig abgearbeitet.

