Interview mit Knauber-Geschäftsbereichsleiter Carlos Pancho„Wir brauchen eine ‚Fast Lane‘ für Energiethemen“

Copyright: Knauber
Die Energiewende kann nur mit einem Technologie-Mix gelingen.
Carlos Pancho ist Geschäftsbereichs leiter der Knauber Erdgas GmbH. Der Experte für Energielösungen blickt auf die aktuelle Lage am Markt und analysiert die Trends für die Energie von morgen.
Wo steht Deutschland heute in Sachen Energiewende?
Pancho: Ein paar Schritte in die richtige Richtung sind schon gelungen, aber das hier ist kein Sprint. Der Weg zu einer vollständig transformierten und langfristig tragfähigen Energielandschaft ist lang – und nicht immer einfach. Um ein ganzes Land von fossilen Produkten zu einem nachhaltigen, klimaneutralen und regenerativen Energiekreislauf zu führen, braucht es signifikante Investitionen in Strukturen, Netze, die Digitalisierung sowie individuell auf den Kundenbedarf zugeschnitAnzeige Anzeige tene Lösungen. Daran arbeiten wir als Energieversorger der Region gemein sam mit Politik, Anlagenbetreibern und Verbrau chern. Immerhin: Die Sensibilisierung für das Thema ist auf allen Ebenen spürbar.

Copyright: Knauber
Carlos Pancho, Geschäftsbereichsleiter der Knauber Erdgas GmbH
Was sind Ihrer Meinung nach die größten Hemmnisse für neue Lösungen?
Pancho: Die Fülle der Regelungen gehört auf den Prüfstand. Es müssen pragmatische Lösungen her, die schnell umgesetzt werden können und wirtschaftlich sind. Denn bisher gehörte schon ein gewisser Idealismus dazu, in erneuerbare Energien zu investieren. Die aktuelle Versorgungslage hat hier einiges in Bewegung gesetzt. Die LNGTerminals im Norden gingen beispielsweise innerhalb weniger Monate ans Netz. Warum? Weil das Thema plötzlich oberste Priorität hatte. Wir sehen also, was möglich ist, wenn die Gesellschaft an einem Strang zieht. Klar lässt sich nicht alles von jetzt auf gleich umstellen. Viele Immobilien eigenen sich nicht für eine energetische Sanierung mit Wärmepumpen und auch die Verbrennungsmotoren werden nicht morgen komplett aus dem Straßenverkehr verschwunden sein. Dennoch müssen Politik und Marktakteure genau jetzt die richtigen Weichen stellen. Dafür braucht es eine „Fast Lane“ für Energiethemen, auf der die nötigen Prozesse einfach und schnell angestoßen und bearbeitet werden können. Ein vielversprechender Energieträger ist Wasserstoff. Damit die Technologie eine echte Chance hat, benötigen wir möglichst bald ein klares, einfaches Regelwerk, das Investitionen attraktiv macht.
Und wohin wird sich der Energie-markt entwickeln? Welche Trends zeichnen sich ab?
Pancho: Wer nur auf eine Technologie setzt, kommt nicht voran. Die Energie der Zukunft muss divers sein, auch um Abhängigkeiten wie bisher zu vermeiden. Mindestens genauso wichtig ist, dass sich alle auf dem Weg zu einem nachhaltigen Deutschland mitgenommen fühlen. Denn jeder einzelne muss seinen Beitrag zur Energiewende leisten, zum Beispiel über E Mobilität oder Solaranlagen auf dem eigenen Dach. Die Zeichen stehen damit so deutlich auf Grün wie noch nie. Knauber geht diese Entwicklung mit voller Überzeugung mit. Doch wir sind auch realistisch: Aktuell werden die Bestandsenergien noch gebraucht. Sie können grüne Technologien sinnvoll ergänzen, um den Bedarf zu sichern, denn Entwicklungsstrecken für neue Produkte sind lang. Mit mehr regenerativen Energieformen kommt der nächste Trend: die Dezentralisierung. Statt nur weniger zentraler Units – wie etwa klassischen Kraftwerken – entstehen immer mehr kleine Anlagen, die gut gesteuert werden müssen. Das übernehmen in Zukunft sogenannte virtuelle Kraftwerke. Viele Erzeuger können über diese flexibel auf zum Beispiel Energieknappheit reagieren, um Spitzenlasten aktiv zu vermeiden. Angebot und Nachfrage werden so bestmöglich gepoolt, also in Einklang gebracht. Wir haben Trends wie diesen fest im Blick und werden aufmerksam beobachten, wohin sich der Markt entwickelt.
Statement: Dr. Ines Knauber-DaubenbüchelGeschäftsführende Gesellschafterin der Knauber Unternehmensgruppe
Die Energiewende ist ein gesamtgesellschaftlicher Kraftakt, der uns vor große Herausforderungen stellt. Knauber hat die politischen, gesellschaftlichen und umbrechenden Signale früh verstanden und richtet sein breites Portfolio danach aus. Wir entwickeln intern bereits heute vielfältige Lösungsansätze für regenerative Angebote wie Photovoltaik, Speicher Technologie und Wasserstoff. Zudem engagieren wir uns mit Partnern zu Themen, die im Technologie Mix wichtig sind. Dazu gehört das Voran treiben synthe tischer Kraftstoffe, sogenannter E Fuels. Hinter all diesen Anstrengungen steht unser persönlicher Anspruch, die Kunden sicher durch diese heraus fordernde Zeit und darüber hinaus zu begleiten und uns aktiv an der konkreten Umsetzung der Energiewende zu beteiligen.

Copyright: Knauber
Dr. Ines Knauber-DaubenbüchelGeschäftsführende Gesellschafterin der Knauber Unternehmensgruppe