Rheinbach/Ludwigsburg – Mit dem spektakulären Überfall auf einen Goldtransport machten Gangsterrapper Xatar (33) und seine Komplizen Schlagzeilen. Verkleidet als Polizisten und Steuerfahnder stoppten sie 2009 den Wagen auf der Autobahn 81 bei Ludwigsburg, raubten Gold für 1,7 Millionen Euro. Einer der Mittäter ist Kawa H. (31). Und der hat jetzt die nächste Anklage an der Backe. Wie dreist!
Der Rheinbacher verbüßte gerade einen Teil der Knaststrafe (siebeneinhalb Jahre), die er für den Goldraub kassiert hatte, im offenen Vollzug, als er schon das nächste Ding drehte. Dieses Mal ging es um Schmu mit wertvollen Markenuhren. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben. Sie wirft dem 31-jährigen Rheinbacher Verstoß gegen das Markengesetz vor. Sein älterer Bruder (32), ausgerechnet ein Rechtsreferendar, soll Beihilfe geleistet haben.
„Der Angeschuldigte nahm aus dem offenen Vollzug heraus Kontakt zu einer Firma in Hongkong auf“, berichtet Oberstaatsanwältin Monika Volkhausen. 10.000 Uhren der Marken „Burberry“, „Diesel“ und „Michael Kors“ soll der ehemalige Goldräuber im fernen Osten erstanden haben. Volkhausen: „Dafür hatten er und der Bruder eigens ein Unternehmen mit Sitz in Rheinbach gegründet. Sie boten dann 5.500 Uhren einer Krefelder Firma zum Kauf an.“ Kostenpunkt: 430.000 Euro!
Aber: Kawa H. hätte die Zeitmesser überhaupt nicht vertreiben dürfen. „Das exklusive Vertriebsrecht lag bei einer Firmengruppe“, erklärt die Sprecherin der Anklagebehörde. Unfassbar: H. und die Hongkonger Firma hatten schon einmal gemeinsame kriminelle Geschäfte angeleiert. Diese Vorwürfe wurden aber mit Blick auf die Strafe für den Gold-Coup eingestellt.
Kaum wieder aus dem Knast raus, machte Kawa H. weiter! Seit 14. November – keine drei Monate, nachdem er in der Goldsache auf freien Fuß gekommen war – sitzt H. in U-Haft. Wird der Rheinbacher für den Schmu mit den Uhren verurteilt, drohen ihm über die eigentliche Strafe – für Verstoß gegen das Markengesetz gibt’s bis zu fünf Jahre – hinaus noch zweieinhalb weitere Jahre Knast. Die wurden als Reststrafe aus dem Goldraub zur Bewährung ausgesetzt.
Aufgeflogen waren H.s neue Machenschaften durch einen an eine Uhrenfirma adressierten anonymen Brief. Das Unternehmen erstattete dann Anzeige. Der Prozess gegen die Brüder steigt demnächst am Euskirchener Schöffengericht.