Wotan Wilke Möhring hat mit uns über gleich drei neue Filme von ihm, Künstliche Intelligenz, seine Zukunft beim „Tatort“ und seine Liebe zu Köln gesprochen.
„Tatort“-Star öffnet sein Herz„Köln wird immer mein Zuhause bleiben!“
Mal der eigenwillige Kommissar, mal der wohlmeinende Biedermann, mal der eiskalte Killer: Drei vollkommen unterschiedliche Männer, alle gespielt vom in Köln lebenden Wotan Wilke Möhring (57), alle zu sehen in diesen Dezember-Wochen. Viele Gründe für ein großes Interview mit EXPRESS.de.
Laut Wikipedia waren Sie schon in über 150 Rollen zu sehen, und jetzt – in diesem Dezember kommen noch drei große weitere hinzu. Sind Sie von der Arbeit besessen, ein Workaholic?
Wotan Wilke Möhring: Das sieht auf den ersten Blick vielleicht so aus – aber so schlimm ist es nicht. Außerdem sind bei Wikipedia nicht nur die großen, sondern alle, also auch die kleineren Rollen verzeichnet. Aber klar, ich liebe meinen Beruf. Ich habe aber auch oft frei. Und wenn ich frei habe, dann richtig. Beides ist mir wichtig!
Wotan Wilke Möhring verrät hier seine liebsten Filme
Was ist für Sie entscheidend, wenn Sie eine neue Rolle annehmen?
Wotan Wilke Möhring: Wichtig für mich ist, ob sie mich interessiert und schauspielerisch fordert. Sie sollte möglichst nicht so sein, wie die davor. Ob ich schließlich zu- oder absage – darüber entscheidet letztendlich mein Bauchgefühl.
Was denken Sie – warum sind Sie so gefragt?
Wotan Wilke Möhring: Da müssen Sie andere fragen. Es hat sicherlich auch mit den richtigen Begegnungen zur richtigen Zeit zu tun. Und ich nehme mir die Freiheit, in meiner Rollenauswahl anspruchsvoll zu sein und es zu bleiben – was nicht immer leicht ist. Mir ist bewusst, dass das sicher eine privilegierte Arbeitssituation ist.
Ihre persönlichen Lieblingsfilme?
Wotan Wilke Möhring: Schwer zu sagen, die meisten Filme hatten ja zu der Zeit, als sie gedreht wurden, durchaus ihre Berechtigung und auch eine gewisse Bedeutung. Mit Sicherheit gehört die „Winnetou“-Trilogie dazu, ein gigantisches Projekt, in dem ich Old Shatterhand gespielt habe. Dabei ist sicherlich auch „Der letzte schöne Tag“, eine TV-Tragödie, die vielen Zuschauern ganz viel bedeutet hat. Wichtig war natürlich auch „Das Experiment“, mein erster großer Kinofilm.

Copyright: ZDF/Roland-Guedo Marx
Düster: Wotan Wilke Möhring und Iain Glen in „Gletschergrab“
In diesem Dezember sind Sie im TV gleich mit drei spektakulären Filmen am Start – am 1. Advent wieder als Hauptkommissar Thorsten Falke im NDR-Tatort „Schweigen“, am 2. Dezember als Familienoberhaupt im Fernsehfilm der Woche „Blackout bei Wellmanns“ (ZDF, 20.15 Uhr) und am 16. Dezember als eiskalter Killer in „Gletschergrab“ (ZDF, 22.15 Uhr). Fangen wir mit Ihrem „Tatort“ an. Worum geht's da?
Wotan Wilke Möhring: Es geht um nicht aufgearbeiteten Missbrauch in der katholischen Kirche. Es ist ein emotional herausfordernder und mutiger Film, aber auch harter Tobak.
Wie gerät Kommissar Falke in den Fall?
Wotan Wilke Möhring: Falke braucht nach dem tragischen Tod seiner Kollegin Julia Grosz Abstand von allem. Er geht ins Kloster, um abzuschalten – doch dann kommt ein Pastor bei einem Brand im Klosterhof ums Leben. Als Falke dann im Klosterkeller kinderpornografisches Material entdeckt, ist er sofort wieder als Ermittler gefordert.
Sie haben in der Abtei Mariawald, einem ehemaligen Trappistenkloster nahe Heimbach in der Eifel, gedreht. Hat die Kirche gewusst, worum es in dem Film geht?
Wotan Wilke Möhring: Selbstverständlich. Und ich finde es richtig, dass sie uns diesen Ort zur Verfügung gestellt hat.
Wotan Wilke Möhring: Vor KI muss man keine Angst haben
Weil wir gerade beim „Tatort“ sind: Da erleben wir zurzeit einen großen Personalwechsel. Haben Sie auch schon dran gedacht, bald aufzuhören?
Wotan Wilke Möhring: Nein. Immer neue Regisseure, immer neue Herausforderungen, das macht mir nach wie vor großen Spaß.
Beim nächsten Film, „Blackout bei den Wellmanns“ im ZDF, geht es um ein anderes, sehr aktuelles Thema. Sie spielen Thomas Wellmann, einen leitenden Ingenieur bei den Stadtwerken, der plötzlich gegen eine Künstliche Intelligenz ausgetauscht wird. Wie sehen Sie das? Ist die KI Fluch oder Segen für die Menschheit?
Wotan Wilke Möhring: Es gibt keinen Grund, vor KI Angst zu haben. KI ist von den Menschen gemacht und nichts anderes als ein Rechenprogramm, eine erhöhte Rechenleistung, die uns den Alltag leichter machen soll. KI kann nicht mal einen Lichtschalter anschalten oder Sachen vom Boden aufheben – es sei denn, wir bauen ihr das Gerät dafür. Wir haben es in der Hand, in welche Richtung die Entwicklung weitergeht.
Thomas Wellmann gerät in die Prepper-Szene, er trifft Leute, die alles zum Überleben in ihrem Haus sammeln, um für Notfälle gerüstet zu sein. Es ist auf der Welt sehr unruhig geworden – ist so eine Vorbereitung sinnvoll?
Wotan Wilke Möhring: Wir können nicht auf alles vorbereitet sein. Denn es kommt sowieso anders, als wir es uns wünschen. Neugier ist mit Sicherheit besser als Angst vor der Zukunft.

Copyright: ZDF/Frank Dicks
In „Blackout bei den Wellmanns“ gerät Wotan Wilke Möhring als Thomas in die Prepper-Szene. Privat ist er da entspannter.
Im Film geht es auch um die Liste des Bundesamts für Bevölkerungsschutz, auf der alle Vorräte für den Extremfall genannt werden. Hatten Sie vorher schon mal davon gehört?
Wotan Wilke Möhring: Ich wusste, dass es so etwas gibt, aber nicht, wie umfangreich sie ist. Allein für den erforderlichen Wasservorrat für vier Personen müsste ich zusätzliche Räume anmieten.
Einen ganz anderen Menschen spielen Sie an der Seite des „Game Of Thrones“-Stars Iain Glin in „Gletschergrab“. Da sind Sie als eiskalter Killer in der schier endlosen isländischen Gletscherlandschaft auf der Jagd. Ist es schwer, einen Menschen zu spielen, der keine Gefühle zeigen darf?
Wotan Wilke Möhring: Es ist eine ganz andere Art der Herausforderung – denn wie spielt man als Mensch eine Maschine? Das Bedrohliche an dieser Figur ist das Inhumane. Er ist eine Ein-Mann-Armee – nur ein Werkzeug.
Darum ist Köln für den BVB-Fan sein Lebensmittelpunkt
Lassen Sie uns bitte kurz über Privates reden. Sie leben seit 16 Jahren in Köln, sind aber längst international erfolgreich, und Ihre Freundin lebt in Hamburg. Haben Sie schon mal daran gedacht, Ihr Zuhause zu wechseln?
Wotan Wilke Möhring: Köln ist mein Hauptwohnsitz, mein Hauptlebensmittelpunkt und wird mein Zuhause bleiben. Denn mein Zuhause ist da, wo meine Kinder sind – und die wachsen in Köln auf.
Was gefällt Ihnen an der Stadt mit K?
Wotan Wilke Möhring: Es gibt keine andere Stadt, die von ihren Bewohnern so geliebt und besungen wird. Köln ist einerseits eine Großstadt, aber sie hat auch diese kleinen, liebenswerten Veedel, die man woanders nicht hat. Das alles mag ich. Et kütt wie et kütt, und jeder Jeck ist anders. Köln ist eine großartige Stadt, um Kinder aufzuziehen.
Sie sind BVB-Fan, haben aber Ihre Tochter gleich nach deren Geburt zum FC-Mitglied gemacht. Passt das für Sie auch heute noch zusammen?
Wotan Wilke Möhring: Meine Kinder gehen ins Stadion. Außerdem haben der FC und der BVB eine tolle Fan-Freundschaft. Für mich also alles voll okay.
Wotan Wilke Möhring: Er lebte schon in New York und Los Angeles
Wotan Wilke Möhring (geboren am 23. Mai 1967 in Augustdorf bei Detmold) besuchte eine Waldorfschule in Herne und verpflichtete sich nach dem Abitur als Soldat auf Zeit bei den Fallschirmjägern der Bundeswehr. Anschließend Studium der Visuellen Kommunikation an der HdK in Berlin. Besuch von Schauspiel-Workshops in Köln und Los Angeles. Er lebte zwei Jahre in New York. 1997 dann sein Filmdebüt in „Die Bubi-Scholz-Story“. 2001: Durchbruch im mehrfach ausgezeichneten Psychothriller „Das Experiment“.
Seit 2013 ermittelt er als Kriminalhauptkommissar der Bundespolizei Thorsten Falke im „Tatort“. Er war zehn Jahre mit Kamerafrau Anna Theis liiert, mit der er zwei Töchter (15, 11) und einen Sohn (13) hat. Das Paar trennte sich 2014. Möhring lebt mit seinen Kindern in Köln.