Bonner Konzert-ProfiGolfende Rocker, trinkende Popper, Löcher im Teppich – ein Leben mit den Musik-Stars

Ernst-Ludwig „Ernest“ Hartz steht vor unzähligen CDs.

Konzert-Promoter Ernst-Ludwig „Ernest“ Hartz in seinem Büro vor unzähligen CDs. Der Musikliebhaber feiert am Samstag (1. März 2025) seinen 65. Geburtstag.

Ernst-Ludwig „Ernest“ Hartz ist im Konzert-Geschäft eine feste Größe. In diesem Jahr feiert er 48-jähriges Veranstalterdasein und 65. Geburtstag. Aus diesem Grund blickt der Bonner auf seine Karriere zurück.

von Marcel Schwamborn  (msw)

Sein Leben ist die Musik und für Live-Musik brennt er nach wie vor. Im Sommer bringt Ernst-Ludwig Hartz, den alle nur „Ernest“ nennen, wieder Top-Stars auf den Bonner KunstRasen und den Kölner Roncalliplatz.

Am Samstag (1. März 2025) feiert der Event-Profi seinen 65. Geburtstag. Grund genug für einen Blick zurück und in die Zukunft des Live-Business.

Ernst-Ludwig „Ernest“ Hartz veranstaltete 1977 sein erstes Konzert

Schon beim Betreten des Hauses in Bad Godesberg-Rüngsdorf ist das Thema Musik allgegenwärtig. Tausende CDs bilden quasi die Wände, Poster und Konzertfotos laden direkt zur Zeitreise ein.

Rheinterrassen, Stadthalle Godesberg, Biskuithalle, Bizarre-Festival, WDR-Rocknacht, Bonner Museumsplatz, Mega-Stadionkonzerte von Genesis, Pink Floyd, Tina Turner, Michael Jackson und U2 – „Ernest“ hat einiges erlebt und viel zu erzählen.

Los ging die Konzertveranstalter-Karriere wie so oft eher durch Zufall. Während seiner Schulzeit verdiente sich der junge Musikliebhaber etwas dazu, indem er in Köln beim Aufbau von Konzerten oder als Ordner half und Plakate klebte. 1977 wurde er gefragt, ob er sich zutrauen würde, in der Aula des Nicolaus-Cusanns-Gymnasiums in Bad Godesberg ein paar Bands auf die Bühne zu bringen.

Er fragte lokale Größen wie Tai Pau, Muzark oder Harnest. Für acht Mark Eintritt gab es fünf Bands zu sehen. „Die Aula war mit 800 Gästen ausverkauft, das hat ganz gut geklappt“. Nebenbei hat er noch mit Wolfgang Koll die „Musikszene“, ein Veranstaltungsmagazin, erstellt. Als er sich mit Veranstalter-Größe Peter Rieger über eine mögliche Anzeige im Heft unterhielt, bekam er das Angebot, für die Agentur die Konzerte erstmal in Bonn durchzuführen.

Sting und Ernst-Ludwig Hartz.

Sting (l.) bekam 2022 als Erinnerung für sein Konzert in Bonn von Hartz eine Beethoven-Figur geschenkt.

„Ich hatte gar keine Ahnung, was mich erwartet“, gesteht Hartz im EXPRESS.de-Gespräch. „Aber meine Liebe zur Live-Musik und vor allem zu Festivals hat mich angetrieben. Und auf einmal hat sich alles so ergeben.“ BAP oder Ideal spielten für zwölf Mark Eintritt in den Rheinterrassen. Es folgten Konzerte mit Level 42, Roger Chapman, der Spider Murphy Gang, Talk Talk, Marillion oder Suzanne Vega.

1987 bescherte Peter Gabriel dem Konzert-Promoter die erste Stadion-Show in Bochum, später folgten die großen Konzerte im Müngersdorfer Stadion. Auf den Festivals spielten Bands, die damals noch in den Kinderschuhen steckten – etwa die Foo Fighters, Coldplay, Soundgarden oder Nickelback.

Joe Cocker mit Ernst-Ludwig Hartz.

In seiner fast 50-jährigen Karriere hat der Bonner Hartz etliche Größen auf die Bühne geholt, wie hier 2010 Joe Cocker auf dem Museumsplatz.

Die goldene Zeit der großen Liveshows ermöglichte Hartz unvergessliche Momente und skurrile Erlebnisse. „David Bowie musste freitagsabends vor seinem Auftritt im WDR-Rockpalast einen Soundcheck auf der Loreley spielen. Wir saßen da mit rund 50 Leuten in diesem tollen Amphitheater und haben quasi ein Privatkonzert bekommen.“

Beim Summer Jam 1990 wiederum machte die Polizei Theater, weil sie unbedingt mit Drogenspürhunden durch den Backstagebereich gehen wollte. „Denen habe ich gesagt: Dann findet hier kein Festival statt und wir haben das Problem, dass die angereisten Fans bestimmt ungehalten reagieren.“

Ernst-Ludwig Hartz und Thomas D.

Thomas D (r.) spielte mit den Fantastischen Vier 2022 auf der Hofgartenwiese in Bonn.

Seit drei Jahrzehnten hat sich Hartz vor allem auf Sommerevents konzentriert. Auf dem Museumsplatz fanden von 1996 bis 2011 legendäre Events mit Größen wie Nick Cave, Van Morrison, Return to Forever oder Joe Cocker statt. Beim Spaziergang mit dem Hund entdeckte er dann das Gelände für den KunstRasen am Rheinufer. Dort spielten früher die Bundestagsabgeordneten Fußball.

„Die Stadt wollte uns keine Freigabe für die Fläche geben, weil angeblich eine Hochwassergefahr vorliegen würde. Mit meinem Partner Martin Nötzel haben wir dann Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch gesagt: ‚Entweder gibt es da Konzerte oder Bonn hat keine Open Airs mehr‘“. Im ersten Jahr spielten dort dann Lou Reed, Bob Dylan, Patti Smith, Zaz oder Jan Delay.

Autogramm von Robbie Williams im Gästebuch.

Die meisten Promis hinterlassen auch eine Widmung im Gästebuch. Robbie Williams wusste zwar nicht genau wieso, tat es aber trotzdem.

Die ersten Jahre auf dem KunstRasen waren hart. Die strengen Lärmschutzauflagen machten es schwierig, Bands anzulocken. „Aber inzwischen haben wir viel in den Schallschutz investiert und können mit einer Lautstärke spielen, ohne dass es den Besuchern zu leise ist.“

2018 belebte er die Konzerte im Schatten des Kölner Doms wieder. „Es wird einem dort nicht leicht gemacht mit den Baustellen und den Auflagen. Aber die Location ist einfach toll und die Künstler spielen dort gerne“, sagt Hartz und verweist auf die Auftritte von Paolo Conte, Tom Jones, Joan Baez oder Lindsey Stirling.

Autogramme von Genesis im Gästebuch.

1987 brachte Hartz die Legenden von Genesis auf die Bühne. Alle Musiker hinterließen ein Autogramm im Gästebuch.

Als sein „Meisterstück“ bezeichnet das Geburtstagskind die Konzerte auf der Bonner Hofgartenwiese mit Robbie Williams, Kraftwerk & Co. „Wir haben die Tickets 2019 verkauft, die Konzerte mussten aber fünfmal verlegt werden. Am Ende stand auf der Ausgabenseite nach Corona eine Kostensteigerung von 30 Prozent.“ Trotz 75.000 Gästen waren die Events zum Beethoven-Geburtstag – auch mangels Unterstützung der Stadt – ein Drahtseilakt.

Überhaupt wird das Live-Geschäft immer mehr zum finanziellen Wagnis. Die Bands verlangen Garantiesummen für ihren Auftritt, wer früher 100.000 Euro forderte, will nun 200.000 Euro. Bleibt der Kartenverkauf dann hinter den Erwartungen, trägt der Veranstalter das Risiko. „Wir haben in diesem Jahr für die 20 Shows auf dem KunstRasen ein Volumen von rund 5,5 Millionen Euro. Das ist die höchste Summe, die ich bisher für den KunstRasen hatte“, gewährt er einen Einblick in die Kalkulation.

Autogramm von Herbert Grönemeyer im Gästebuch.

Das waren noch Zeiten: 1985 trat Herbert Grönemeyer im Kursaal in Bad Honnef auf. „Lieber Ernst-Ludwig, Glück auf!“, bedankte er sich bei Hartz.

Während die Firma E. L. Hartz Promotion in Hochzeiten bis zu 15 Mitarbeitende hatte, sieht sich „Ernest“ heute als Alleinunterhalter, der mit seinem Partner Martin Nötzel seit 2012 den KunstRasen betreibt. „Vieles rechnet sich nicht mehr, vor allem bei Clubshows reicht man die Kosten einmal durch. Daher habe ich mich auf den Sommer und auf Stammkünstler konzentriert. Ich bin aber immer noch der Musikverrückte, sonst würde ich es nicht mehr machen.“

Konzerte einiger Giganten wie die Rolling Stones oder AC/DC hat der Bonner nicht veranstaltet. „Sonst habe ich fast alles auf die Bühnen gebracht, das waren tausende von Shows. Heute ist mir die eigene Gesundheit das Wichtigste. Ich will die richtige Balance zwischen Arbeit und Privatleben finden.“ Am 14. Oktober 2027, 50 Jahre nach dem ersten Schulaula-Event, möchte er eine Party feiern. Und eigentlich könnte er angesichts seiner Erlebnisse durchaus ein Buch schreiben.

Ernst-Ludwig Hartz mit Roland Kaiser.

Roland Kaiser (r.) sorgte 2022 für einen ausverkauften KunstRasen in Bonn. Den Schlager-König bezeichnet Hartz als sehr umgänglichen Künstler.

Bands wie Rush oder die Doors schickte er vor den Auftritten auf den Golfplatz in Much, Patti Smith und die Musiker von Nile Rodgers schauten sich das Beethovenhaus an. Lou Reed buchte eine Thai-Massage.

In Sachen Sonderwünschen und Backstage-Eskapaden schweigt sich Hartz weitestgehend aus. Jason Derulo habe große Mengen hochpreisigen Alkohol geordert und hat diesen nach dem Gig mitgenommen. Roxy Music wollten acht Flaschen Champagner zu je 130 Euro – die waren nachher alle leer.

Wolfgang Niedecken mit Ernst-Ludwig Hartz.

Wolfgang Niedecken (l.) begleitet Ernst-Ludwig Hartz quasi durch seine ganze Veranstalter-Karriere. Im Sommer sorgt der Sänger mit BAP wieder für eine ausverkaufte Show auf dem KunstRasen.

Lemmy Kilmister von Motörhead hatte in der Stargarderobe der Düsseldorfer Philipshalle seinen eigenen Spielautomaten aufgestellt und beim Zocken Zigaretten im Teppichboden ausgedrückt. „Als er zum nächsten Konzert kam, habe ich von ihm Kaution verlangt, ehe ich die Garderobentür aufgeschlossen habe, für den Fall, dass er wieder Schäden anrichtet.“

Der Großteil der Stars sei jedoch umgänglich, sagt der Veranstaltungsprofi. Viele haben sich in seinem Gästebuch verewigt. Manche wie Johnny Cash oder Joe Strummer von The Clash haben sich nach den Auftritten sogar persönlich für die Organisation bedankt. „Und natürlich sind über die Jahrzehnte zu einigen Künstlern wie Wolfgang Niedecken oder Justin Sullivan von New Model Army Freundschaften entstanden.“