299 Wahlkreise, 29 Parteien, 59 Millionen Stimmberechtigte – am heutigen Sonntag, 23. Februar 2025, wird der Deutsche Bundestag gewählt. Zehn Stunden lang haben die Wahllokale geöffnet, bevor das Auszählen beginnt.
BundestagswahlMerz, Steinmeier und Scholz kommen mit ihren Ehefrauen ins Wahllokal
In ganz Deutschland haben um 8 Uhr die Wahllokale für die Bundestagswahl geöffnet. Bis 18 Uhr können die Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben, dann beginnt die Auszählung. In den rund 65.000 Wahllokalen sind dafür etwa 675.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer im Einsatz. Zur Wahl aufgerufen sind über 59 Millionen Menschen im Bundesgebiet.
Laut Umfragen dürfte die Union mit Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) stärkste Kraft werden, gefolgt von der AfD. Dahinter lagen im Mittelfeld zuletzt SPD und Grüne.
Neuer Bundestag wird schlanker: Nur noch 630 Abgeordnete
Der neue Bundestag wird wegen einer Reform deutlich schlanker sein. Die Zahl der Abgeordneten wurde auf 630 begrenzt – mehr als 100 weniger als aktuell. Dafür fallen die sogenannten Überhang- und Ausgleichsmandate weg, die bisher das Parlament oft stark aufgebläht haben.
Nun kommen mit Erststimme gewählte Kandidatinnen und Kandidaten nur noch in den Bundestag, wenn ihre Partei auch genügend Zweitstimmen hat.
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Die Wahl wurde um sieben Monate vorgezogen – das gab es bisher nur 1972, 1983 und 2005. Grund ist, dass die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP im November zerbrochen war.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender geben im Wahllokal in der Erich-Kästner-Grundschule in Berlin-Dahlem ihre Stimmzettel ab.
Kanzler Olaf Scholz (SPD) schlug nach dem Nein des Bundestags zu seiner Vertrauensfrage vor, das Parlament aufzulösen – was Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dann anordnete.
Der kurze Winterwahlkampf war zuletzt geprägt von der Debatte über eine Begrenzung der Migration, zweites Thema war die schwächelnde Wirtschaft.

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Friedrich Merz (CDU), Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat, kam am Sonntagmorgen gemeinsam mit seiner Frau Charlotte Merz zu Fuß zur Stimmabgabe ins Wahllokal in der Schützenhalle in Arnsberg-Niedereimer im Hochsauerlandkreis. Bei strahlendem Sonnenschein begrüßte Merz viele Wählerinnen und Wähler sowie Bekannte und betrat dann das Wahllokal. Ein Statement für die wartenden Journalisten gab er nicht. Im Anschluss wollte Merz nach Berlin reisen.
Empörung hatte die Einmischung der neuen US-Regierung in den Wahlkampf zugunsten der in Teilen als rechtsextremistisch eingestuften AfD ausgelöst.
Wahlbeteiligung lag bei letzter Bundestagswahl bei 76,4 Prozent
Die Wahlbeteiligung lag 2021, bei der letzten Bundestagswahl, bei 76,4 Prozent. Bundeswahlleiterin Ruth Brand gibt am Sonntagnachmittag um 15.30 Uhr im Bundestag eine Zwischenbilanz zur Wahlbeteiligung mit Stand 14.00 Uhr bekannt.
Bei der letzten Wahl hatten zu diesem Zeitpunkt 36,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Briefwählerinnen und Briefwähler sind bei dieser Angabe noch nicht erfasst. Auch ihre Stimmen werden erst nach Schließung der Wahllokale ausgezählt.

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Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) joggt am Wahltag – begleitet wird er von seinem Personenschutz am Morgen. Am Sonntag findet die vorgezogene Wahl zum 21. Deutschen Bundestag statt.
In den Umfragen vor der Wahl führte die Union klar. Schon deutlich dahinter lag die AfD auf Platz zwei, vor der SPD und den Grünen. Die Linkspartei wurde erneut im Bundestag gesehen, die FDP und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) müssen aber um ihren Verbleib im Parlament bangen.

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Nach der morgendlichen Joggingrunde ging es für den amtierenden Kanzler Olaf Scholz zusammen mit seiner Frau Britta Ernst ins Wahllokal – in der IHK in Potsdam gaben sie ihre Stimmen ab. In Scholz' Wahlkreis Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming hatte er bei der vergangenen Bundestagswahl 2021 34 Prozent der Stimmen bekommen. Beim Verlassen des Wahllokals reckte Scholz den Daumen.
Zentrale Frage nach der Wahl wird sein, ob die Union mit ihrem Kanzlerkandidaten Friedrich Merz (CDU) mit nur einer weiteren Partei eine Koalition bilden kann oder ob für eine mehrheitsfähige Regierung wie bei der zuletzt chronisch zerstrittenen „Ampel“ drei Parteien nötig sind.

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Weißblaue Strandkörbe stehen als Wahlkabinen in einem Wahllokal auf der ostfriesischen Insel Norderney.
Reicht es für einer Zweier-Koalition, wäre nach den meisten Umfragen eine schwarz-rote Koalition aus Union und SPD möglich, in einigen auch noch Schwarz-Grün mit Union und Grünen.
Ob diese Bündnisse möglich sind, hängt wesentlich von der Zahl der Parteien ab, die es in den Bundestag schaffen. Mit weniger Parteien sinkt die Schwelle für eine Mehrheit, weil das Gewicht der anderen Parteien zunimmt. (dpa, afp)