Netflix gönnt sich mit „Pulse“ eine eigene Krankenhausserie, die wie ein Update des Genreklassikers „Grey's Anatomy“ aussieht. Ein neuer „McDreamy“ ist auch dabei, aber nicht wirklich traumhaft.
Operation am liebenden HerzenDie neue Krankenhausserie „Pulse“ will „Grey's Anatomy“-Fans im Sturm erobern

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Dr. Danny Simms (Willa Fitzgerald, rechts) muss ihre Kolleginnen (Cass Himmelstein, Jessy Yates) und Kollegen (Jack Bannon, Jessie T. Usher) davon überzeugen, eine gute Chefin zu sein.
Nach 20 Jahren „Grey’s Anatomy“ ist immer noch nicht Schluss: Dass Ende April die 21. Staffel der Erfolgsserie in Deutschland startet, ist der Beweis, dass Krankenhausserien einfach nicht aus der Mode kommen wollen. Das hat mittlerweile sogar Netflix erkannt.
Der Streamingriese schickt ab 3. April zum ersten Mal ein eigenes Team junger Ärztinnen und Ärzte ins Rennen um die Publikumsgunst: „Pulse“ heißt die neue Serie, und sie macht keinen Hehl daraus, welchem großen Vorbild es Konkurrenz machen will.
Pulse: Netflix setzt auf Krankenhaus-Show
Okay, eigentlich könnte es ein bisschen sonniger werden: Während „Grey’s Anatomy“ im eher grauen Seattle spielt, ist „Pulse“ in Miami angesiedelt. Sonne, Palmen Strand – was will man mehr, um sich vom Klinikalltag abzulenken?
Doch auch in Florida herrscht nicht immer eitel Sonnenschein. Vor allem nicht in der Hurrikansaison: In den zehn Episoden der ersten Staffel rast ein Monstersturm auf die Stadt und ihr bestes Traumazentrum zu.

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Dr. Danny Simms (Willa Fitzgerald) muss klare Ansagen machen angesichts der durch einen Hurrikan bedingten Notlage.
Im Maguire Hospital geht's aber nicht nur wegen des Wetters drunter und drüber: Der beliebte Chefassistenzarzt Dr. Xander Phillips (Colin Woodell) wird suspendiert, die Assistenzärztin Dr. Danny Simms (Willa Fitzgerald) befördert. Als wäre das immer noch nicht genug der Aufregung, hatten die beiden auch eine geheime Liebesaffäre. Denn wie das so ist im Arbeitsumfeld Krankenhaus: Operiert werden muss immer auch am liebenden Herzen.
Eine Notaufnahme, knapp erfolgreiche Operationen, Herzschmerz, Konflikte mit Kollegen und private Herausforderungen: Netflix erfindet das Genre in der ersten eigenen Krankenhausserie nicht neu. Die Showrunner Zoe Robyn und Carlton Cuse, der Serienveteran unter anderem maßgeblich an „Lost“, „Locke & Key“, „Bates Motel“ und „Jack Ryan“ beteiligt, setzen aber ein paar moderne Akzente – vor allem im Konfliktmanagement innerhalb des Teams.

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Dr. Xander Phillips (Colin Woodell) schüttet seinem Kollegen Tom Cole (Jack Bannon) sein Herz aus.
Jede Generation braucht ihre eigene Krankenhausserie: „Pulse“ passt in die Zeit. Der Grundkonflikt ist nach wenigen Szenen etabliert: Es geht um sexuelle Belästigung und wie man mit den Anschuldigungen umgeht, wie Opfer- und Täterrollen definiert werden, wie Kompetenzwahrnehmung funktioniert. Das sind alles Themen, die auch in der Gesellschaft diskutiert werden.
Der nachdenkliche Unterbau wird von der starken Besetzung getragen. Hauptdarstellerin Willa Fitzgerald machte zuletzt als taffe Polizistin in der ersten Staffel von „Reacher“ auf sich aufmerksam. Ihr Co-Star Colin Woodell begeisterte in der Hauptrolle des John Wick-Ablegers „The Continental“ und hätte eigentlich das Zeug, Patrick Dempsey zu beerben. Allerdings ist nicht jeder „McDreamy“ automatisch ein Traumtyp. (tsch)