Der 1. FC Köln darf zwei Spieltage vor dem Ende der Saison den Klassenerhalt feiern. Jetzt darf gejubelt und durchgepustet werden. Diese Spielzeit hat gezeigt, was möglich ist – im Guten wie im Schlechten. Ein Kommentar zum FC.
Kommentar zum FCKöln-Rettung: Diese Saison zeigt, was möglich ist

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Um 20.40 Uhr waren am Samstagabend (9. Mai 2026) die allerletzten kleinen Zweifel beseitigt: Der 1. FC Köln darf den Klassenerhalt nach dem Sieg des FC Bayern München über den VfL Wolfsburg auf dem Sofa feiern.
Bei Kölns Sportboss Thomas Kessler (40) gab es sicherlich einen kleinen Freudenausbruch. Auch die Spieler sind happy! Jetzt darf gefeiert und durchgepustet werden – zwei Spieltage vor dem Ende der Saison hat Köln keine Sorgen mehr.
Köln lebt Fußball wie kaum eine andere Stadt
Davon gab es in den vergangenen Monaten ja auch genug. Die Spielzeit hat dem FC gezeigt, was alles möglich ist. Und zwar im Guten wie im Schlechten! Nach der Rückkehr in die Bundesliga legte Kessler als neuer Sportchef einen gefeierten Transfersommer hin. Experten wie Fans waren zunächst begeistert.
Mit der Aufstiegseuphorie und dem neuen Trainer Lukas Kwasniok (44) zauberte sich die Mannschaft zunächst auch unter die Top 3. Da träumten zahlreiche Anhängerinnen und Anhänger schon von Europa, wobei auch immer viel Selbstironie dabei ist. Sportchef Kessler blieb ruhig.
Die Mannschaft spielte in der Folge nicht die Sterne vom Himmel. Man hielt zwar gegen alle Gegner gut mit, aber die Ergebnisse blieben aus. Zwischen Trainer Kwasniok und großen Teilen des Teams kam es zum Bruch. Innerhalb weniger Monate rutschte der FC in der Tabelle ab: vom gefeierten Aufsteiger zum erneuten Abstiegskandidaten. Auch hier blieb Kessler zunächst ruhig.
Doch Ende März war der Trainer nicht mehr zu halten. Anstatt einen Feuerwehrmann von außen zu installieren, setzte Kessler auf Co-Trainer René Wagner (37). Den hatte er schon im Sommer geholt, weil er in ihm großes Potenzial sah, eines Tages als Cheftrainer durchstarten zu können. Kein großer Name, sondern feste Überzeugung in der Sache. Das sah beim FC in der Vergangenheit oft anders aus.
Mit Wagner kam zwar (bis auf die unglückliche Niederlage gegen Leverkusen) kein überragender Fußball, aber die gute Stimmung zurück. Er sammelte mit dem Team die nötigen Punkte, um die Klasse zu halten.
Kein Meisterstück, aber solide Arbeit. Und sicherlich auch begünstigt von der Schwäche der Konkurrenz. Dass drei Mannschaften in der Tabelle zwei Spieltage vor Schluss 26 Punkte und weniger haben, kommt nicht häufig vor.
Zwei Spiele muss der FC noch absolvieren. Hängen lassen gilt dabei nicht. Zum einen will man sich gegen Heidenheim nichts vorwerfen lassen, zum anderen muss Wagner weiter überzeugen, um auch nächste Saison noch FC-Trainer zu sein.
Kessler wird auch nach dem erreichten Ziel Klassenerhalt ruhig bleiben und die Saison nüchtern analysieren. Er steht nach über 20 Jahren im Klub seit einem Jahr an der sportlichen Spitze. Er hat einmal mehr erlebt, wie emotional der Standort sein kann. Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt innerhalb weniger Spiele. Köln lebt, fühlt und leidet Fußball wie kaum eine andere Stadt.
Für Kessler und seine Mitstreiter hat die Vorbereitung auf die neue Spielzeit längst begonnen. Im EXPRESS.de-Interview sagte er vor wenigen Wochen, was für ihn Erfolg mit dem FC bedeutet: Den Klub dauerhaft erstklassig zu halten. Einige Vorgänger hätten wohl von Europa geträumt. Kessler nicht, er ist Realist. Und das tut dem Klub gut. Er weiß, was beim FC möglich ist – im Guten wie im Schlechten!
Den ersten Klassenerhalt hat der FC unter Kessler jetzt geschafft. Und er weiß genau, was möglich ist: Mit harter Arbeit, keinen Flausen im Kopf und kleinen Schritten will er aus einem Fahrstuhl-Klub einen etablierten Bundesligisten machen. Es ist noch ein langer Weg!
Was Mut macht: Der Kader muss nur punktuell verstärkt werden. Ein guter Linksverteidiger, ein kreativer Mittelfeldspieler, ein treffsicherer Neuner. Und die Möglichkeit, dass Said El Mala auch in der kommenden Saison noch beim FC spielt, ist durchaus gegeben. Denn auch bei dieser Personalie bleibt Kessler ruhig.


