„Neeeiiin!“, „Aaaah“, „Iiiih“, „Schnüff“: „Das Supertalent“ (RTL) stürzte Publikum und Jury bei seinem Staffelstart in ein Wechselbad der Gefühle. Das ist bei dem Format um außergewöhnliche und skurrile Talente natürlich Programm. Besonders schlimm wurde es für Bruce Darnell, den zwei Horror-Magier in die Mangel nahmen.
RTL gehen die „Supertalente“ ausDie wahre Entdeckung sitzt neu in der Jury

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Angst und Schrecken beim „Supertalent“: Bei dieser Darbietung nahm die Jury Reißaus.
„Das Supertalent“ ist zurück. Mit all seinen Stärken und Schwächen. Zum Auftakt der 17. Staffel gab es Nerven aufreibende Stunts, berührende Darbietungen, eklige Momente, coole Jury-Sprüche und natürlich auch die unvermeidlichen Talentfreien, die ihre drei Minuten Bühnenruhm suchten.
Heimlicher Star war Neu-Juror Comedian Tony Bauer, der neben Dieter Bohlen, Bruce Darnell und Ekaterina Leonova für frischen Wind sorgte. Und es gab einen Rekord: Gleich zweimal wurde in der Auftaktsendung der goldene Buzzer gedrückt, der den direkten Weg ins Finale ebnet.
Gold-Buzzer für Viggos Spaßschow und die Lucky Kids
Daran wurde aber auch eine Schwäche deutlich. Denn die Vorführung der „Lucky Kids“, dem Kinderchor der Rheinischen Musikschule in Köln, war zwar wirklich putzig. Aber finalwürdig? Bruce Darnell ließ sich auch nur zum Buzzer lotsen, weil einer der im Publikum komplett vertretenen Eltern der Kinder-Crew „Gold-Buzzer!“ gebrüllt hatte. „Ich kann halt nicht Nein sagen“, meinte der Choreograf, bescherte den Lucky Kids ihren Glückstag, mahnte aber immerhin: „Hart arbeiten, synchroner werden. Überlegt euch fürs Finale was Tolles!“
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Beim zweiten Mal ließ „Jury-Titan“ Bohlen selbst Goldflitter regnen. Der norwegische Clown Viggo Venn machte nichts, außer sich Warn-Westen vom Leib zu reißen. Eine nach der anderen, immer wieder, während er ausgelassen über die Bühne und quer durch den Saal hüpfte, stolperte, sich zweimal lang legte und von der Bühne fiel. Aber mit der minimalistischen, geradezu abstrusen Nummer ließ er Jury und Publikum Tränen lachen und förmlich vor bester Laune überkochen. Da passten die Gold-Konfetti irgendwie auch schön dazu.

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Die Lucky Kids, der Kinderchor der Rheinischen Musikschule in Köln, hatten wirklich ihren Glückstag: Bruce Darnell ließ es für sie am goldenen Buzzer Gold-Konfetti regnen.
Nur, und das verdeutlicht ein weiteres Problem des Formats: Die Nummer ist nicht neu. Mit exakt derselben Performance gewann Viggo 2023 die englische Pendant-Show zum „Supertalent“, „Britain's Got Talent“. Danach wurde er sogar für eine Halbzeitshow in einem NBA-Game gebucht und trat 2023 bei der Benefiz-Veranstaltung „Royal Variety Performance“ sogar vor Mitgliedern des englischen Königshauses auf.
Und Viggo war nicht der Einzige, der zwar ein Super-, aber eben auch bereits bekanntes Talent ist.
Nur die Juroren entscheiden, wer das Finale erreicht
Das ist die Krux: Woher die ganzen, zum Teil halsbrecherischen oder irren Künstler nehmen? Nicht nur, aber auch aufgrund dieses Problems wurden die Sendungen von „Das Supertalent“ drastisch reduziert. Vier sind's in diesem Jahr. Insgesamt, also mit Finale. Früher, in den „goldenen Zeiten“, als auch noch die Quoten durch die Decke gingen, waren es mal 15 Casting-Shows, vier Halbfinals und ein Finale.

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Kimberly Winters kann Lieder rülpsen. Bruce fürchtete, sie hätte sich verschluckt, und brach besorgt die Show ab.
Damals war auch noch das Auswahlverfahren für die Finalteilnahme transparent. Diesmal nicht. Wer genügend Ja-Stimmen der Juroren erhält, zieht „in die nächste Runde“ ein. Das ist die, in der die Jury einfach auswählt, wer im Finale steht. Plus die vier mit Gold direkt ins Finale gebuzzerten Talente. Da ist es schon fast übertrieben, wie um die Ja-Stimmen im Casting gerungen und gejubelt wird. Denn wer seine Jas bekam, ist noch lange nicht im Finale.
Auch Heidi Klum erschrak schon vor „Forest of Haunt“
Mal sehen, ob es die „Forst of Haunts“ schaffen werden. Die beiden Horror-Magier aus Slowenien schafften es jedenfalls, die Jury aus den Sitzen zu holen. Vor Schreck, denn sie tauchten mit ihren Horror-Kostümierungen als Lady Zombi und Monster-Haase unvermittelt vor dem Jury-Pult auf und ließen Bohlen & Co. die Herzchen in die Schlüpper rutschen. „Chill doch mal, Alter“, keuchte Tony und flüchtete sich hinter Ekats hektisch wallendes Abendkleid.
Bruce und Dieter wurden sogar auf die Bühne gebeten, wo Dieter zwei Luftballons wählen musste, die dann über Bruces Haupt zerplatzt wurden. Die „Germany's Next Topmodel“-Legende badete darauf in Gold-Konfetti. Harmlos also. Erst als sich der Inhalt des letzten Ballons über dem Jury-Pult ergoss, wurd's eklig: „Iiiih, Würmer, wie das stinkt“, ekelte sich „Let's Dance“-Star Ekat. Da war sie in guter Gesellschaft: Denselben Schock erlitt Heidi Klum letztes Jahr, als „Forest of Haunts“ bei „America's Got Talent“ auftraten - mit exakt derselben Nummer.
„Wenn die Unterhose noch geflogen wäre, hätte ich Gold gedrückt“
Einmalig waren dagegen wohl die Darbietungen von „Kash“ Kaiser und Daniela Kennedy. Und vor allem einmalig schlecht. Sie schafften es - natürlich - nicht. Ebenso der Akkordeonspieler Ryan, der aber immerhin spürbar selbst Spaß hatte und auch mit muntrem Spiel und einem heißen Twerk zu Bitney Spears für Heiterkeit sorgte. Oder wie Kimberley Winters. Als die anhob, einen Aretha-Franklin-Hit vorzutragen, sprang Bruce auf und stoppte die Show. Er hatte Sorge, die Arme habe sich verschluckt - dabei rülpste sie den Song! Dieses Talent brachte sie bereits ins Guiness-Buch der Rekorde - bei „Das Supertalent“ aber nicht weiter.

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Sänger Jayden Swingewood verblüffte mit seiner wahnsinnig gefühlvollen Stimme. Bohlen: „Das mit 16 so rüberzubringen, ist was Besonderes.“
Der Atem stockte bei Alan Portugal, der im Internet nicht umsonst als „Selbstmord-Akrobat“ bekannt ist. Er brach sich bei einem seiner Stunts sogar schon mal das Genick und überlebte nur knapp. Und auch sein „Supertalent“-Trick - sich aus sechs Metern Höhe von der „Leiter des Todes“ auf ein Mini-Polster fallen zu lassen - sorgte für besorgte Minen und erleichterte Seufzer, als alles gut gegangen war.
Schnappatmung bekamen vor allem Ekat und Bruce, als sich die Jungs der ungarische Tanzcrew Urban Verbunk präsentierten. Mit bloßen und sorgfältig rasierten Oberkörpern und teilweise kopfabwärts hängend - und steppend. Und auch die beiden Messoudi Brothers glänzten mit viel Haut. Während sie sich Kegel zuwarfen und jonglierten, zogen sie sich aus und wieder an und tauschten die Klamotten. Tony Bauer schelmisch: „Wenn die Unterhose noch geflogen wäre, hätte ich Gold gedrückt.“
Bewegende Story: Bei „Duo Adventures“ schimmern alle Augen feucht
Sehr schön war die Tanzakrobatik von Alexander Leshchenko anzuschauen, der zu digitalen Effekten performte, was Bruce als die „Zukunft des Entertainments“ feierte. Erfrischend war das sicherlich schrägste Akrobatenduo seit Langem: Der Holländer Daniel und sein von ihm selbstgebastelter (und programmierter) Roboter Robin, die gemeinsam Paartanz boten - sehr witzig.
Und dann wurde es beim „Duo Adventures“ aus Slowenien auch noch berührend. Da schimmerten die Augen feucht, als die kleine Alisa erzählte, wie sie die Luftakrobatik-Partnerin ihrer Mama Ievgeniia wurde. Das nämlich vor allem, weil ihr Papa, bis dahin Ievgeniias Partner, vor anderthalb Jahren starb. „Ich bin noch nicht so gut wie Papa, aber stolz, an seiner Stelle zu sein.“
Allerdings beherrscht Alisa das Understatement, denn ihre beinahe magische Vorführung mit Mama war auch artistisch top. „Dein Papa ist ganz, ganz stolz auf dich“, sagte Tony mit belegter Stimme und auch Dieter war berührt. „Da hat alles gepasst.“ Ekat hatte „jeden Moment genossen“.
Dieter Bohlen über Gesangstalent Jayden: „Warum nicht DSDS?“
Großartig war auch Sänger Jayden, für den der Traum in Erfülllung ging, „einmal vor Dieter Bohlen zu singen“. Das machte er, mit Boyband-Looks und -Stimme, so gut, dass Dieter fragte: „Und warum hier und nicht bei DSDS?“ Jayden, der coole: „Ich wollte auch mal den Bruce sehen.“
Er, wie auch Mentalmagier Christoph Kuch, erreichte „die nächste Runde“. Ob wir sie alle noch einmal wiedersehen werden? Das wissen nur Ekat, Dieter, Bruce und Tony. Irgendwann. (tsch)