Düsseldorf – Man sagt, dass in Hannover das unverfälschteste Hochdeutsch gesprochen wird. Der Schwabe hingegen, so ist es landläufig bekannt, kann alles – außer Hochdeutsch.
Der Düsseldorfer ist hingegen gleich mit zwei Muttersprachen gesegnet: Dem Hochdeutschen und seinem Platt. Und das wird zwar bekanntlich immer weniger gesprochen, ist aber allen Unkenrufen zum Trotz nicht platt zu kriegen.
Grund genug, unseren Dialekt am internationalen Tag der Muttersprache gebührend zu feiern: Verzäll doch hütt mol wat op Düsseldorfer Platt! Einer der größten Verehrer der Düsseldorfer Sprache ist mit Sicherheit Heinrich Spohr.
Seitdem er sein Buch „Das Düsseldorfer Rheinisch“ herausbrachte, rufen immer wieder Leute bei ihm an. Spohr: „Dabei handelt es sich zu meiner Freude meistens um Zugezogene, die unsere Sprache lernen wollen. Die möchten im Brauhaus beim Alt eben schwadronieren wie echte Düsseldorfer.“
Für Spohr ist das nur ein weiterer Beweis dafür, dass unser Platt trotz seines Rückgangs garantiert nicht zur Aussterbenden (Mund)art gehört. Zahlen, wie viele Düsseldorfer wirklich noch Platt können gibt es zwar nicht. Aber, sagt Spohr: „Es gibt immer mehr Düsseldorfer Schulen, die Mundart-Seminare anbieten wollen.
Außerdem steckt das Platt in uns allen drin, ist tief im sogenannten «Regiolekt» verwurzelt. Auch wenn er versucht Hochdeutsch zu sprechen – fährt ein Düsseldorfer ins Ruhrgebiet, hören die Leute sofort, wo der Jong herkütt.“
Der Düsseldorfer Mundartpoet „Charles Manes“ hatte mit seinen Düsseldorfer „Plattitüden“ sogar Günther Jauch bei dessen TV-Sendung „Wer wird Millionär?“ verzückt. Nach dem Motto „Man muss och mal jönne könne“ hatte er so charmant wie noch niemand zuvor 64.000 Euro verzockt.
Für den 75-Jährigen, der „Hochdeutsch“ Karl Hermann Stein heißt, ist der Düsseldorfer Dialekt die schönste Sprache überhaupt: „Es klingt derb, aber immer liebenswert“, weiß Manes. „Und es ist so wunderbar bildhaft, wie es das Hochdeutsche nie sein kann.“ M’r wäde et nit satt, onser Düsseldorfer Platt!
Schimpfen mit Charles Manes
Es klingt derb und bodenständig, unverblümt und doch unheimlich bildhaft – sogar bei Beschimpfungen. Das bewies Charles Manes jetzt auf der Mittelstraße. Passenderweise bei der berühmten Plastik der beiden „Streitenden“ packte der Mundartpoet seine deftigen „Lieblings-Plattitüden“ aus. Kostprobe? Wie nennt man einen Typ mit großer Klappe, aber nichts dahinter?
„Dat es dä Kreesmeester von d’r Rievkochefabrik“, erklärte Manes den Passanten. Eng verwandt ist der „Kreismeister von der Reibekuchenfabrik“ übrigens mit „Lord Bemssteen“, womit man einen aufgeblasenen Kerl bezeichnet. So richtig kreativ wird der Düsseldorfer bei jemandem, der auf deutsch als „Erbsenzähler“ bezeichnet wird. Manes: „Dat es bei ons ene Müüsköttelanspetzer (Mauskotanspitzer).“
Für die EXPRESS-Leser hat Charles Manes seine Top-Ten der Schimpfworte aufgelistet - für Zugezogene mit Übersetzung.
Charles Manes 10 liebste „Schimpf-Plattitüden“
Hochdeutsch
Mundart/Mondaht
Erklärung
Leichtes Mädchen (Schlampe)
Kahfsackmösch
Kahfsack: StrohmatratzeMösch: Vögelchen
Langweiler (Schlafwandler)
Dachkalledänzer
Dachkall: DachrinneDänzer: Tänzer
Herausgeputzter Kerl, Snob
Mokkastenz, Puuhahn
Puu: Pfau
(Kleiner) Wichtigtuer
Häredötzke
Häre: HerrenDötzke: Winzling
Winzling, Dreikäsehoch
Mälmfohzer
Mälm: Straßenstaub, der beim Furzen aufwirbelt
Zänkige Frau
Krachjewitter, ahl Kniepzang
Alte Kneifzange
Grapscher
Föttchesföhler
Föttche: Po
Weiberheld, Casanova
Fitzkarjöner
Fitzkarjöne: korpulieren
Stark Betrunkener
Stähnjranatevolljesoffski
sterngranatenvoll
Fettsack
Fressklötsch, Kimmelöres
kimmele: viel essen