„War ein anderes Gefühl“Kölner Moderatorin Anne Will über „seltsame Intimität“ mit Angela Merkel

Anne Will zu Gast in der „NDR Talk Show“

Anne Will zu Gast in der „NDR Talk Show“

Man kennt sie als ARD-Talkmasterin. Nun hat Anne Will eine Dokumentation über die Kriegsangst der Deutschen gemacht. In der „NDR Talk Show“ berichtet sie darüber.

Heute ist sie froh, dass sie am Sonntagabend frei hat. Anne Will gehört zu den bekanntesten Talkshowmoderatorinnen Deutschlands. 16 Jahre lang moderierte sie im Ersten eine Sendung, die ihren Namen trug.

Mit „Politik mit Anne Will“ leitet sie seit gut einem Jahr einen erfolgreichen Podcast, in dem sie mit ihren Gästen Politik spannend und informativ erklärt. Und nun hat sie eine Fernsehdokumentation produziert, erzählt die 58-Jährige stolz am Freitagabend (4. April 2025) in der „NDR Talk Show“.

Anne Will spricht über Podcast und Angela Merkel

„Wehmut hatte ich nie“, sagt Anne Will über ihre Entscheidung, sich von ihrem ARD-Talkformat zu verabschieden. „Ich war nach meiner Sendung nicht sicher, ob mir gelingt, etwas Neues zu machen. Wo ich mich wohlfühle, wo ich das Gefühl habe, das ist etwas, das mich sowohl intellektuell interessiert als auch handwerklich, was mir Spaß macht, was funktioniert.“ Ihr Podcast macht Anne Will Riesenspaß. „Es ist eingetroffen, was ich mir gewünscht habe, mal wieder was anderes zu machen.“

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Früher hat sie in ihrem TV-Talk am Sonntagabend im Ersten mit vier bis fünf Gästen geredet. In ihrem Podcast kann sie ein Thema intensiv mit einem Menschen besprechen, ganz ohne Zeitdruck. So dauerte ein Podcast mit der früheren Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer zwei volle Stunden.

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Nur selten hatte sie nur einen Gast, wenn sie am Sonntagabend talkte. Meist war es dann die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Sie hat unsere Einladungen immer angenommen, daher glaube ich, dass sie auch gerne kam“, erinnert sich Anne Will.

„Und sie war auch im Podcast. Das war ein anderes Gefühl, als wenn sie in einem Fernsehstudio sitzt. Als sie am Tag ihrer Buchvorstellung da war, war sie für mich wahrnehmbar nervös. Das ist eine so geübte Frau in Interviews, die schockt natürlich gar nichts. Aber diese seltsame Intimität, dass du mit jemandem sitzt, der dir ja fremd ist, in so einem kleinen Raum, das macht was. Selbst mit Angela Merkel.“ Dies sei für sie der größte Unterschied zur Fernsehtalkshow.

Nun hat Anne Will eine Dokumentation für die ARD gemacht. Dort läuft sie am kommendem Montag, also am 7. April, um 20.15. Der Titel: „Angst vor Krieg - die Deutschen in der Zeitenwende“.

Sie sei auf dieses Thema durch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius gekommen, erzählt Anne Will. „Boris Pistorius hat ungefähr vor einem Jahr davon zu sprechen begonnen, dass wir als Land kriegstüchtig werden müssten. Er sagt, er wollte damit nicht verunsichern, aber er wollte aufscheuchen. Er will auch weiterhin klarmachen, dass es wichtig ist. Mich hat es erreicht. Ich finde, das ist ein sehr gutes Wort“, so Anne Will.

Sie habe erkannt, dass die Zeit, in der der Schutz durch die USA sicher war, weggebrochen ist. „Da fing das an, dass ich mit Julia Friedrichs, mit der ich die Dokumentation gemacht habe, auch darüber gesprochen habe, dass uns das Thema wirklich interessieren würde.“ In ihrer Dokumentation spricht sie mit Kriegsgegnern, aber auch mit einem 16-Jährigen, der freiwillig zur Bundeswehr geht, mit dem russischen Botschafter und natürlich mit Boris Pistorius.

„Besonders beeindruckt hat mich das Gespräch mit dem russischen Botschafter

Anne Will: „Besonders beeindruckt hat mich das Gespräch mit dem russischen Botschafter. Ich fand es gruselig.“ Die russische Botschaft unter den Linden in Berlin ist ein riesiges Gebäude. Anne Will: „Diese Gigantomanie behauptet eine Zeit, die sich der Botschafter zurückwünscht, nämlich die Zeit der Sowjetunion, in der aus dem Kreml ein riesiges Reich befehligt wird.“ In dem Interview habe der Diplomat gesagt, dass sich Russland mit Deutschland nicht im Krieg befinde. Noch nicht.

Frustrieren will Anne Will mit ihrem Film nicht. „Ich bin so ein Typ: Wenn ich mich mit einem Thema beschäftige, dann macht mir das weniger Angst. Ich hoffe, dass der Film das auch auslöst.“ Die Dokumentation ist am Montagmorgen in der ARD-Mediathek zu sehen. Das Interview mit dem russischen Botschafter gibt es dazu in voller Länge. (tsch)