Blutrote GiftbrüheSchock-Fall aus dem Jahr 1986: Als die Todeswelle Köln erreichte

Feuerwehrleute in Schutzkleidung räumen einige Tage nach einem Brand in einem Chemiewerk des Schweizer Chemieunternehmens Sandoz die Trümmer auf.

Feuerwehrleute in Schutzkleidung räumen einige Tage nach einem Brand in einem Chemiewerk des Schweizer Chemieunternehmens Sandoz die Trümmer auf. Das Foto wurde im November 1986 aufgenommen.

1986 ereignete sich in der Schweiz bei Basel eine verheerende Chemie-Katastrophe. Auch Köln war davon betroffen.

Die Schicksalsnacht: Am 1. November 1986 färbt sich in Basel der Rhein blutrot. Doch es ist nicht die erste der zehn biblischen Plagen, die den Strom heimsucht, sondern ein verheerender Chemieunfall des ansässigen Sandoz-Konzerns.

Sechs Tage später erreicht der Giftteppich Köln. EXPRESS erinnert sich.

Brand bei Sandoz sorgt für Katastrophe im Rhein

In einer 6000 Quadratmeter großen Halle des Chemiekonzerns war ein Großbrand ausgebrochen, mit dem Löschwasser werden mindestens 20 Tonnen hochgiftiger Stoffe, insbesondere Pestizide und Insektizide, aber auch 150 Kilogramm Quecksilber in den Rhein geschwemmt.

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Von Basel aus wälzt sich die blutrote Giftwelle flussabwärts. Auf gut 400 Kilometern tötet sie nahezu alles Leben in dem Fluss.

Allein in Baden-Württemberg sterben 150.000 Aale, aber auch andere Fische, Schnecken, Insekten und Vögel fallen ihr zum Opfer. Zwei Schafe, die vermutlich aus den verseuchten Fluten getrunken haben, gehen ein.

Als die Giftwelle drei Tage nach dem Unfall Kurs auf Köln nimmt, werden dort sofort die Trinkwasserpumpen am Rhein abgestellt.

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Schließlich trifft der rote Teppich ein, Warnungen werden veröffentlicht: Anglerinnen und Angler sollen den Rhein meiden, ebenso spielende Kinder. Zwei Tage nach Ankunft der Welle werden auch in Köln 160 tote Aale entdeckt. Die Kölner sind tief getroffen: „Was haben die aus unserem Rhein gemacht?“, fragen sie damals verzweifelt im EXPRESS.

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Doch so schrecklich das Unglück auch war, es hatte auch positive Folgen für Vater Rhein: In Politik und Industrie fand ein Umdenken statt. Noch im Dezember 1986 wurden Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Rheinwasserqualität getroffen – mit Erfolg!

Der Fluss ist heute sauberer als vor 100 Jahren und sogar der früher dort heimische Lachs ist wieder zurückgekehrt.

Der Artikel von Lisa Zehner erschien am 9. November 2011 im EXPRESS in der Reihe „Kölner Zeitreise“.