Das Verweilverbot am Brüsseler Platz spaltet die Gemüter. Selbst Anwohnende, um deren Nachtruhe und Gesundheit es eigentlich geht, sind dagegen.
„Wie autoritär ist Deutschland eigentlich?“Brüsseler Platz in Köln: Anwohner kämpfen gegen Verweilverbot

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Tote Hose am einst quirligen Brüsseler Platz: Ein Team des Ordnungsamtes kontrolliert das Einhalten des Verweilverbotes, hier am 6. Februar 2025.
Seit dem 7. Februar 2025 gilt für den Brüsseler Platz im Belgischen Viertel ein Verweilverbot. Freitags, samstags und an den Abenden vor Feiertagen ist von 22 bis 6 Uhr an dem beliebten Feier-Hotspot Ruhe angesagt.
Nach Lärmmessungen will man so den Gesundheitsschutz der Anwohnerinnen und Anwohner gewährleisten. Doch von denen wollen mehrere das Verweilverbot, das sogar noch auf die komplette Woche ausgeweitet werden soll, gar nicht.
Anwohner des Brüsseler Platzes: „Wie autoritär ist Deutschland eigentlich?“
„Stellen Sie sich mal vor, Sie könnten abends nicht mehr ungezwungen vor die Tür gehen, um mit einem Nachbarn zu klönen. Wie autoritär ist die Bundesrepublik Deutschland eigentlich?“, schimpft Anwohner Markus Schulte, der sich am Donnerstagabend (20. März 2025) an EXPRESS.de wandte.
Er und seine Frau stellen eine von insgesamt neun beteiligten Parteien der Streitgenossenschaft stonblieve@bruesselerplatz.de. Schulte: „Ich hätte mir nicht träumen lassen, mich einmal in einer solchen Situation engagieren zu müssen.“
Im Augenblick würden sie versuchen, den Stadtrat für die Situation zu sensibilisieren. Der Rat entscheidet am 3. April über eine Beschlussvorlage. Dabei geht es darum, das Verweilverbot am Brüsseler Platz auf alle Wochentage zu erstrecken.
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In der Begründung heißt es, dass aktuelle Messungen deutlich gezeigt hätten, dass nicht allein Rufen, Schreien, Lachen und Glasklirren für den Geräuschpegel bestimmend seien, sondern vielmehr die gesamte Geräuschkulisse der normalen Gespräche, die durch Besucherinnen und Besucher des Platzes und die Außengastronomie verursacht wird.
Und weiter: Ein Alkoholkonsumverbot im gleichen Zeitraum als milderes Mittel sein nicht gleich geeignet und effektiv, um verlässlich die Nachtruhe und damit den Gesundheitszustand der Anwohnenden herzustellen.
Vor allem im Sommer haben sich bislang überwiegend junge Feiernde am Brüsseler Platz getroffen. Mit Getränken aus den umliegenden Kiosken versorgt, wurde es auf dem rappelvollen Platz bis tief in die Nacht laut.
Verweilverbot am Brüsseler Platz nicht die richtige Maßnahme
Markus Schulte von der Streitgenossenschaft findet jedoch diverse Gründe, warum ein Verweilverbot am Brüsseler Platz weder für die Anwohnenden, das Viertel noch die Stadt die richtige Maßnahme ist.
So würde es das Viertel langfristig schwächen und unattraktiver machen, auch würden Gastronomie und Gewerbe Gäste verlieren, dies würde insbesondere inhabergeführte Cafés und Kioske treffen. Zudem seien Jugendliche und Geringverdienende überproportional betroffen, argumentiert er.
Er stellt klar: „Wir wollen nicht unsere eigene Nachtruhe gefährden. Wir denken nur, die Verwaltung soll Ruhestörer wegen Ruhestörung verknacken und nicht ein ganzes Viertel in Haft nehmen.“