An Weiberfastnacht 2025 wurden in Köln zwei Vergewaltigungen angezeigt. Ein Rückblick zeigt, dass das keine Ausnahmen sind.
Bittere BilanzDie traurige Realität im Kölner Karneval: Frauen werden jedes Jahr zum Opfer von Männern

Copyright: Arton Krasniqi
Die Polizei überwachte am Donnerstag (27. Februar) das Treiben auf der Zülpicher Straße. Auch an Weiberfastnacht 2025 wurden drei Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht.
von Adnan Akyüz (aa)
Tausende Jecke feiern friedlich den Kölner Karneval, doch nahezu jedes Jahr erleben Frauen den blanken Horror. Sie sind die Personengruppe, die aggressivem Verhalten und mutmaßlich der enthemmenden Wirkung von Alkohol zum Opfer fallen. Die bittere Bilanz der Vergewaltigungen der letzten Jahre.
Karneval in Köln: Drei Frauen an Weiberfastnacht 2025 vergewaltigt
An Weiberfastnacht 2025 (27. Februar 2025) hat die Kölner Polizei zwei Anzeigen wegen Vergewaltigungen aufgenommen. Eine 18-Jährige etwa soll in einem Lokal im Zülpicher Viertel misshandelt worden sein. Der Täter sei bereits identifiziert.
Ein Rückblick auf die vergangenen Jahre zeigt das Ausmaß. Hier eine Auswahl der Fälle:
Weiberfastnacht 2024: In sechs Fällen ermittelte die Polizei wegen angezeigter Vergewaltigungen. Tatorte: Eine Tat im öffentlichen Straßenraum, Hotel, Wohnung und Diskothek.
Weiberfastnacht 2022: Drei Anzeigen wegen Vergewaltigungen in Bars oder Kneipen in der Innenstadt gingen ein, zwei weitere in anderen Bezirken.
Karneval 2020: In einem Hotelzimmer in der Kölner Altstadt vergriff sich ein Mann, damals 38, an einer stark alkoholisierten, tief schlafenden Frau (damals 21 Jahre alt). Er hatte ungeschützten, vaginalen Geschlechtsverkehr mit ihr und hat ohne ihr Wissen Videos von ihr mit dem Handy gemacht haben, die er bei Whatsapp in einer „Stich“-Gruppe postete. Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt.
Hier unseren EXPRESS.de-Liveticker an Weiberfastnacht 2025 nachlesen
Weiberfastnacht 2018: Wegen besonders schwerer Vergewaltigung hat das Kölner Landgericht einen 22-Jährigen zu zehn Jahren Haft verurteilt. Zudem musste er in eine Entziehungsanstalt; allerdings zuvor drei Jahre Haft verbüßen. An das Opfer, eine damals 21 Jahre alte Studentin, musste er 40.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.
Auf der Zülpicher Straße, hinter der Unterführung Dasselstraße, bot der Täter seine Begleitung an, wogegen die Frau sich nicht wehrte. Kaum hatte sie das Telefonat beendet, schlug er ihr das Handy aus der Hand, zerrte sie in eine Grünanlage am Paula-Kleinmann-Weg auf Höhe der Uni-Mensa und versetzte ihr die ersten Faustschläge. Er brachte sie zu Boden und vergewaltigte sie.
Karneval 2016: Bei der Polizei wurden 51 Sexualdelikte angezeigt – von der sexistischen Beleidigung bis hin zu Vergewaltigung. An diesem Tag wurde auch ein 17-Jähriger festgenommen. Er schlug eine Kölnerin (damals 27) am Grüngürtel erst bewusstlos und vergewaltigte sie dann.
Eine zweite Vergewaltigung gab es in der Kölner Südstadt. Eine Frau wurde von einem Mann bedrängt, der ihr mit Gewalt an den Unterleib griff und sexuelle Handlungen vornahm.
Der Karneval endete für ein 16-jähriges Mädchen schrecklich und brutal. Ein kostümierter Täter zerrte die Kölner Schülerin in ein Gebüsch und vergewaltigte sie. Tatort: das Kölschfest am Südstadion.
Die Stadt Köln hat schon seit mehreren Jahren ein Angebot für Opfer von sexueller Gewalt im Karneval. An den „Edelgard“-Anlaufstellen können sich Betroffene melden und bekommen Hilfe. Zudem gibt es die Opferschutzorganisation „Weißer Ring“, die Opfern von Kriminalität ehrenamtlich zur Seite steht.
Auch die Politik hat das Thema im Blick. Die schwarz-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen setzt sich dafür ein, dass Täter, die unter Einsatz von K.o.-Tropfen Vergewaltigungen oder Raubdelikte begehen, für mindestens fünf Jahre ins Gefängnis müssen. „Wer K.-o.-Tropfen einsetzt, verübt eine schwere Straftat und spielt mit dem Leben der Opfer“, sagte NRW-Justizminister Benjamin Limbach.
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir von drei Vergewaltigungen geschrieben. Diese Information ist jedoch falsch. In der Pressestelle der Polizei war es zu einem Missverständnis gekommen, woraufhin von drei Fällen berichtet wurde. Wir haben die Anzahl der gemeldeten Vergewaltigungen auf zwei korrigiert.