Sensation im DFB-Pokal! Arminia Bielefeld hat Doublesieger Bayer Leverkusen geschlagen und steht im Finale. Zwei Kommentare zu den Situationen beider Klubs.
Kommentare zur Pokal-SensationBielefeld nimmt Rache für FC – Bayer zurück auf Werks-Einstellungen?
Was war das bitte für ein irrer Pokalabend? Arminia Bielefeld feiert den Finaleinzug im DFB-Pokal nach einem furiosen 2:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen!
Der Drittligist wirft den amtierenden Doublesieger raus und steht erstmals in seiner Vereinsgeschichte im DFB-Pokalfinale. Eine Sensation – aber auch völlig verdient! Zwei Kommentare zu den Situationen beider Klubs.
Kommentar zu Arminia Bielefeld: Rache für den 1. FC Köln
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Wer diesen Schlachtruf schon einmal in einem Stadion schreien durfte, weiß, welche Glücksgefühle sich damit verbinden.
Einmal im Leben zum DFB-Pokalfinale nach Berlin fahren zu dürfen, ist ein einmaliges Erlebnis für einen Fußballfan von Arminia Bielefeld, dessen Leidenschaft für seinen Verein sonst auch viel aus Leiden besteht.
Das werden Anhänger anderer Fahrstuhlmannschaften wie VfL Bochum, MSV Duisburg und der rheinischen Klubs 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf nachempfinden können. Was für ein historischer Triumph des in zwei schlimmen Jahren aus der Bundesliga abgestürzten Traditionsvereins, der mit einer völlig neu formierten Mannschaft das eigentlich ungleiche Duell mit dem Double-Gewinner aus Leverkusen auf Augenhöhe bestritt und von Beginn an dominierte.
Wie bei den vorherigen Siegen gegen Zweitligist Hannover und die Bundesligisten Union Berlin, Freiburg und Bremen gewann die Arminia auch noch völlig verdient.
Dreimal stand Bielefeld zuvor im Halbfinale, dreimal unterlag der DSC. Und auch gegen Leverkusen befürchteten viele Fans den späten Ausgleich, doch diesmal hatte der Fußballgott Erbarmen und ließ den späten Kopfball von Patrik Schick an den Pfosten prallen.
Das war die von Bielefeld-Idol Fabian Klos bei EXPRESS.de angekündigte Rache für Bayers unverdienten Viertelfinalsieg gegen Köln und irgendwie auch für Arminias Abstieg in der Saison 2002/03, der unter mysteriösen Umständen im Fernduell mit Leverkusen zustande gekommen war. Für diese Geschichten lieben wir den Fußball.
Kommentar zu Bayer Leverkusen: Zurück auf Werks-Einstellungen?
Die Frage an dieser Stelle ist nicht, ob Mitchell Weiser am Dienstag kurz vor 23 Uhr ein noch schlechteres Gewissen als kurz nach seinem Tritt auf den Fuß von Florian Wirtz hatte. Entschuldigt hatte sich der Bremer ja hinlänglich dafür, dass er den Leverkusener Superstar in den Verletztenstand gebracht hat.
Dass dessen Kollegen ohne ihn seither nichts mehr richtig auf die Kette bekommen, kann nicht sein Problem sein. Das Halbfinal-Aus in Bielefeld war dabei die peinliche Krönung des Doublesieger-Abgesangs, der mit Wirtz vielleicht vermieden worden wäre.
Die Frage an dieser Stelle ist also eher: Kommen Florian Wirtz angesichts der Bruchlandung aus den Höhen des Fußball-Himmels womöglich leise Gedanken, den Verein doch eher zu verlassen als sich alle wünschen unterm Bayer-Kreuz?
Es wäre nicht verwerflich aus Sicht des neben Jamal Musiala besten Kreativ-Kicker, den Deutschland derzeit zu bieten hat. Bayer hat ein Jahr lang am Anschlag gespielt, gezaubert, getroffen, gewonnen und gejubelt. Die Menschen waren begeistert und nicht nur, weil endlich mal nicht die Bayern Meister geworden sind. Bayer war unschlagbar gut und wurde plötzlich akzeptiert.
Am Dienstag war es endgültig vorbei mit der Herrlichkeit. Sollten die Verantwortlichen auf dem Rasen und in den Chefetagen nicht schnell den richtigen Dreh finden, war der Double-Gewinn eine einmalige Sache und der Klub geht auf Werks-Einstellung zurück. Allein dafür wäre Wirtz zu schade, das ist keine Frage. (Reuter Bielefeld, Knop Bayer)