Sie räumen seit drei Jahren unfassbar ab. Die Räuber erleben ihren dritten Frühling. Dafür haben die Fans sie bei der großen EXPRESS.de-Abstimmung den Närrischen Oscar gewonnen.
Freudentränen und Jubel purKölner Band flippt total aus – erstmals holen sie den Närrischer Oscar
Sie konnten ihr Glück gar nicht fassen. „Ich hab‘ Tränen in den Augen“, sagte Kurt Feller begeistert. „Nein, das kann doch gar nicht wahr sein“, schrie Andreas „Schrader“ Dorn. Doch es ist wahr! Die Räuber haben den Närrischen Oscar 2025 in der Kategorie Band gewonnen.
Bei der großen EXPRESS.de-Karnevals-Abstimmung setzte sich die Gruppe in einem echten Kopf-an-Kopf-Rennen gegen hochkarätige Konkurrenz durch. Überrascht wurden die Räuber mit der Pokalübergabe auf der Weiberfastnachtsbühne von Radio Köln im Tanzbrunnen. Es spielten sich fast tumultartige Szenen ab vor lauter Freude.
Närrischer Oscar: Preis für Räuber auf der Bühne von Radio Köln
Warum sich die Kultband zu Recht feiern lassen durfte, zeigte sich auch am Donnerstag (27. Februar 2025) einmal mehr. Beim „Trömmelche“ zog eine Polonäse über die Bühne, bei „Oben Unten“ machten über 10.000 Jecke im Tanzbrunnen mit. Nach „Für die Iwigkeit“ gab es laute „Zugabe“-Rufe. Keine Frage: Diese Räuber haben die Herzen vieler, vieler Fans gestohlen.
Nach dem Preis für Solo-Künstlerin Marita Köllner und der Trophäe für Volker Weininger als bester Redner steht damit der dritte der fünf Titelträger fest. „In 34 Jahren ist es das erste Mal, dass wir das geschafft haben. Ich bin immer noch sprachlos“, sagte Feller hinter der Bühne. Der Pokal bekam sofort einen Ehrenplatz auf dem Armaturenbrett im Bandbus.
Frontmann Sven West war happy, dass er rechtzeitig zu dieser Überraschung wieder mit seinen Kollegen auf der Bühne stehen konnte. Mehrmals musste der Sänger in den vergangenen zwei Wochen krank aussetzen und wurde von Mätropolis-Frontfrau Linda Teodosiu vertreten.
„Aber mit dem Preis im Gepäck schaffe ich auch noch die letzten 28 Auftritte der Session“, sagte er glücklich, ehe es zum nächsten Auftritt ging. „Wir sind total geflasht und wahnsinnig stolz über diesen Preis. Der Pokal ist für alle unsere Fans, wir stellen ihn aber trotzdem bei uns in den Proberaum.“
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Copyright: Daniela Decker
Tränen flossen, der Pokal wurde geknutscht: Als die Räuber auf der Bühne von ihrem Erfolg erfuhren, waren sie komplett außer sich.
Rund 70.000 Stimmen waren bei Kölns größtem Wettbewerb abgegeben worden. Die Räuber sammelten 16,0 Prozent der Stimmen und hielten damit Cat Ballou, die auf 13.2 Prozent kamen, hinter sich. Kasalla belegte mit 9,3 Prozent Platz drei, die Höhner wurden Vierter mit 9,0 Prozent vor Brings mit 8,6 Prozent.
Närrischer Oscar 2025: Die Top-5 in der Kategorie „Band“
- 1. Räuber 16,0 Prozent der Stimmen
- 2. Cat Ballou 13,2 Prozent
- 3. Kasalla 9,3 Prozent
- 4. Höhner 9,0 Prozent
- 5. Brings 8,6 Prozent
Auch wenn es die Räuber inzwischen seit 34 Jahren gibt, markiert dieser Närrische Oscar für die Band einen weiteren entscheidenden Meilenstein in der Karriere. Der Plan, sich neu auszurichten und der Mut, mit Songs wie „Wigga Digga“, „Oben unten“ und in dieser Session sogar mit gleich zwei neuen Titeln – „Der Bär“ und „Platz für dich“ – an den Start zu gehen, hat zum umjubelten Comeback der Band geführt.
„Wir wollten in dieser Session unbedingt zwei Facetten von uns zeigen. Nachdem wir dreimal Spaß- und Witzlieder präsentiert haben, wollten wir auch zeigen, dass wir viel mehr können, um den Leuten auch Lust zu machen, uns mal im Jahr bei einem Auftritt zu besuchen. Es war abenteuerlich, aber gut“, sagte Dorn.
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Copyright: Daniela Decker
Überraschung gelungen: Auf der Weiberfastnachtsbühne von Radio Köln gab es den Närrischen Oscar von EXPRESS.de-Reporter Marcel Schwamborn (l.) für die Räuber.
„Wie schnell es ging, der Band einen neuen Anstrich zu verpassen, hat uns selbst umgehauen“, kann es Sänger Sven West selbst kaum glauben. Ende der 1990er-Jahre war in Köln gern vom „kölschen Kleeblatt“ die Rede. Die Räuber gehörten neben Höhnern, Bläck Fööss und Paveiern zum musikalischen Hochadel des Karnevals.
Inzwischen haben alle diese Bands einen Generationswechsel hinter sich, doch nirgendwo ist der Neustart so radikal und kompromisslos ausgefallen wie bei den Räubern. Feller, der einzige noch verbliebene Ur-Räuber, erzählt immer wieder gern die Anekdote aus dem Sommer 2022 in Lindlar. Dort hatte die Band ihre neue Nummer „Wigga Digga“ aufgeführt. „Ich war anfangs unsicher, ob das Lied auf der Bühne funktioniert“, gesteht Feller. Hip-Hop-Elemente hätte es schließlich bis dahin nicht in ihren Liedern gegeben.
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Copyright: Daniela Decker
Pure Freude: Thommy Pieper, Sven West und Kurt Feller überwältigt auf der Bühne.
Nach dem Auftritt kam hinter der Bühne plötzlich eine Dame jenseits der 70 mit Gesprächsbedarf auf ihn zu. „Ich war mir sicher, was jetzt kommt. Dass ich der letzte in der Band bin, den sie noch kennt. Und dass wir nicht mehr ihre Musik spielen“, dachte sich Feller. „Aber dann fragt sie, was mit den Räubern los sei, so viel Energie habe sie noch nie auf der Bühne gesehen, die neuen Lieder: stark. Der Chorgesang: super. Da dachte ich mir: Jetzt kann ich beruhigt in den Urlaub fahren“.
Früher schrieb fast ausschließlich Karl-Heinz Brand die Stücke, der Rest der Band half beim Feinschliff. Jetzt ist das Texten und Komponieren Gruppenarbeit. „Die Songs sind meist Ergebnisse von Kreativ-Wochen“, erzählt Dorn. Die Ergebnisse können sich sehen lassen.