„Jetzt ist alles gefährdet“Trumps Zoll-Wahnsinn trifft jetzt auch uralte deutsche Tradition

Die Zölle von US-Präsident Donald Trump (hier am 3. April in Miami) treffen auch kleinere deutsche Betriebe.

Die Zölle von US-Präsident Donald Trump (hier am 3. April in Miami) treffen auch kleinere deutsche Betriebe.

Trumps Zölle-Rundumschlag trifft nicht nur Konzerne in aller Welt hart - er erwischt auch kleinere Betriebe. Auch eine deutsche Tradition ist gefährdet.

von Martin Gätke  (mg)

Trumps Zoll-Wahnsinn wird drastische Auswirkungen auf die gesamte globale Wirtschaft haben, daran hat kein Ökonom Zweifel. Nach aktuellen Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) soll das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland um 0,3 Prozent sinken.

Autos sind betroffen, ebenso der Maschinenbau und die Textilbranche. Die Zölle treffen aber auch kleinere Betriebe, zum Beispiel im Erzgebirge. Dort bangt nun eine deutsche Tradition: Die berühmten Nussknacker und Räuchermännchen müssen verteuert werden. Werden die US-Amerikanerinnen und -Amerikaner die uralte Handwerkkunst weiterhin kaufen?

„Das ist jetzt alles gefährdet“

Fest steht: Bislang war erzgebirgisches Kunsthandwerk, also Weihnachtspyramiden, Nussknacker & Co., in den USA durchaus begehrt.

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„Es gibt Firmen, die 90 Prozent ihres Umsatzes mit dem US-Geschäft erzielen“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Erzgebirgischen Kunsthandwerker und Spielzeughersteller, Frederic Günther, „ntv“. „Die haben sich auf den amerikanischen Markt spezialisiert. Da gibt es langjährige Partnerschaften. Das ist unser wichtigstes Exportland.“

Blick in die Werkstatt eines Holzspielzeugmachers im sächsischen Seiffen: 1870 soll hier der erste Nussknacker angefertigt worden sein. Nun bedroht Trump die Tradition.

Blick in die Werkstatt eines Holzspielzeugmachers im sächsischen Seiffen: 1870 soll hier der erste Nussknacker angefertigt worden sein. Nun bedroht Trump die uralte Tradition.

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Etwa 200 Betriebe gibt es in Sachsen, vorwiegend Drechsler und Holzspielzeugmacher. Ihnen und ihren direkt oder indirekt beschäftigten 2000 Mitarbeitenden drohten nun satte Umsatzeinbußen – dank Trump. Manufakturen seien gezwungen, wegen der von ihm verhängten 20-prozentigen Zölle auf EU-Waren ihre Preise anzuheben.

„Wir müssten diese zunächst an die Endkunden beziehungsweise Händler weiterberechnen, da wir die 20-prozentige Steigerung nicht selbst tragen können“, sagte der Verbandsvertreter. 

Er hofft, dass die Kundinnen und Kunden diese Preissteigerungen mitgehen. „Es gibt keine Alternativen zu erzgebirgischem Kunsthandwerk.“

In den USA gibt es viele Regionen mit einem hohen Anteil an deutschen Auswanderinnen und Auswanderern, die die Nussknacker aus ihrer alten Heimat wollen. Man arbeite auch mit größeren US-Handelsketten zusammen. „Erzgebirgisches Kunsthandwerk ist deshalb auch in New Yorker Kaufhäusern zu finden, aber auch auf den beliebten Weihnachtsmärkten“, so Günther. „Zudem gibt es viele Sammler und Clubs. Das ist jetzt alles gefährdet.“