Erst Höchststrafe in Ulm, dann Tor-Held beim Sieg in Paderborn – die ersten Wochen beim 1. FC Köln waren für Imad Rondic äußerst aufregend. Das Interview.
„Kann damit umgehen“FC-Start, Fan-Kritik und Tor-Premiere: Jetzt spricht Rondic

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Imad Rondic jubelt gegen den SC Paderborn über seinen ersten Treffer für den 1. FC Köln (29. März 2025).
Er wurde im Winter als neue Sturm-Hoffnung geholt. Nach monatelanger Suche hatte der 1. FC Köln endlich seinen neuen Torjäger gefunden: Imad Rondic (26) kam für rund 1,3 Millionen Euro von Widzew Lodz aus Polen.
Nach unübersehbaren Startschwierigkeiten und wachsender Kritik am Transfer hat der Bosnier am 29. März 2025 beim 2:1 gegen Paderborn mit seinem Premiere-Treffer und Topwerten nachgewiesen, dass er im restlichen Aufstiegskampf doch noch eine Hilfe sein kann.
Imad Rondic: „Kann mit diesem Druck gut umgehen“
Nachdem der Tor-Knoten endlich geplatzt ist, sprach der Angreifer mit EXPRESS.de über seine Startschwierigkeiten, die hohen Erwartungen an ihn und die Gründe für seinen Köln-Wechsel.
Imad Rondic, Sie haben am vergangenen Wochenende ihr erstes FC-Tor geschossen. Wie fühlt sich das an?
Imad Rondic: „Es war ein unglaubliches Gefühl. Das erste Tor für einen Verein vergisst man nie. Für einen Stürmer geht es immer darum, Tore zu erzielen. Wir werden daran gemessen. Ich bin sehr froh, dass es dieses Mal gezählt hat, nachdem mein erstes Tor in Leverkusen aberkannt wurde. Es gibt nichts Schöneres, als ein Tor zu machen und am Ende zu gewinnen.“
Es gab hinterher Diskussionen, ob es nicht ein Eigentor war. Hatten Sie Angst, dass Ihnen das Tor erneut „geklaut“ wird?
Rondic: „Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir nicht viele Gedanken darüber gemacht. Hauptsache, der Ball war über der Linie – egal wie. Es war ein sehr wichtiges Spiel gegen einen direkten Konkurrenten und wir haben am Ende gewonnen – nur das zählt. Als die Jungs mir gesagt haben, dass es für mich gewertet wurde, war ich dann doch sehr glücklich.“
Wie wichtig ist es für Sie, dass nun der Knoten geplatzt ist?
Rondic: „Natürlich tut so ein Erfolgserlebnis gut. Ich bin aber auch selbstbewusst und glaube an meine Fähigkeiten. Wenn man hart genug arbeitet, wird sich das über kurz oder lang auszahlen. Mein erstes Tor war hoffentlich nur der Anfang.“
Die Erwartungen an Sie im Winter waren hoch. Spüren Sie diesen Druck?
Rondic: „Die hohen Erwartungen sind mir bewusst. Sie sind ein Stück weit auch mein Antrieb, weil ich das Gefühl habe, dass ich hier Verantwortung übernehmen kann. Der FC ist ein großer Klub mit hohen Ansprüchen und Zielen. Da ist es normal, dass die Fans viel von uns Spielern erwarten. Ich kann mit diesem Druck aber gut umgehen, er treibt mich an. Ich mag die großen, wichtigen Spiele am meisten. Dort geht es besonders darum, Selbstbewusstsein, Stärke, Qualität und Mut zu zeigen.“
Was erwartet Gerhard Struber von Ihnen?
Rondic: „Es ist eigentlich ganz einfach. Er erwartet hohen Einsatz – mit und gegen den Ball. Denn auch im Gegenpressing haben wir Stürmer eine wichtige Aufgabe. Wir wollen den Gegner permanent anlaufen und ihn zu langen Bällen zwingen. Im Spiel nach vorne soll ich Bälle festmachen, sie klatschen lassen und ins Dribbling gehen, damit meine Mitspieler nachrücken können. Ich habe meine Stärken im Sechzehner, dort soll ich Präsenz zeigen, Gefahr ausstrahlen – und natürlich Tore schießen und auflegen.“
Rondic sieht sich als laufstarken Stürmer
Haben Sie mitbekommen, dass die Fans nach Ihren ersten Spielen bereits unruhig geworden sind?
Rondic: „Ich habe es mitbekommen, aber ich versuche immer, mich nur auf mich selbst zu fokussieren. Es tut mir gut, wenn ich die positiven Sachen herausziehe und Einflüsse von außen ausblende. Man darf nicht vergessen, dass es manchmal einfach etwas Zeit braucht, neue Dinge zu adaptieren. Ich bin mitten in der Saison ohne Vorbereitung in eine neue Mannschaft, eine neue Liga und ein neues Land gekommen. Gegen Darmstadt lief es schon deutlich besser und in meinen Augen habe ich als Joker ein ordentliches Spiel gemacht. Das hat mir der Coach nach dem Spiel auch gesagt – und daraus habe ich viel gezogen. Nach dem Freundschaftsspiel, das sicher nicht zufriedenstellend war, konnte ich in der Heimat meine Akkus aufladen, habe Kraft getankt und dann gegen Paderborn alles gegeben.“
Sie sind dort beachtliche 12,2 Kilometer gelaufen – mehr als jeder andere auf dem Feld. Definieren Sie Ihr Spiel also auch über Fleiß?
Rondic: „Ich würde mich schon als laufstarken Spieler bezeichnen, der in jedem Spiel ans Maximum geht. Für mich steht der Teamerfolg an oberster Stelle. Dafür opfere ich mich in den 90 Minuten gerne auf. Ich glaube, wenn das Team merkt, dass man sich zerreißt, gibt es dir dafür auch etwas zurück. Man hat in Paderborn gesehen, wie oft sie versucht haben, mich in Szene zu setzen und Chancen zu ermöglichen. Das geht nur mit bedingungslosem Teamwork.“
Sie haben die vielen Chancen angesprochen. Gab es einen Moment, in dem Sie gedacht haben: ,Das wird heute nichts mehr‘?
Rondic: „Aufgeben ist für mich nie eine Option. Ich bleibe immer positiv und fokussiert auf die nächste Chance. Für mich war es erstmal ein wichtiges Signal, dass ich überhaupt in diese Abschlusssituationen gekommen bin. Es zeigt mir, dass die Abstimmung mit meinen Teamkollegen immer besser passt, genauso wie die Laufwege und meine Positionierung im Sechzehner. Wenn ich dann eine Chance kriege, vertraue ich auf meine Abschlussqualitäten und blende alles andere aus.“
Sie standen erstmals mit Tim Lemperle in der Startformation. Wie haben sie das Zusammenspiel erlebt?
Rondic: „Ich finde, wir haben als Duo sehr gut harmoniert. Es hat sich schon im Training angedeutet, dass wir gut zueinander passen. Wir beide wissen genau um die Stärken des jeweils anderen und versuchen, einander bestmöglich einzusetzen. Wir haben uns vorher einen genauen Plan zurechtgelegt. Tim ist eher der Stürmer mit Tiefgang. Ich bin derjenige, der die Bälle festmacht und im Sechzehner zuschlägt.“
Wo liegen die größten Unterschiede zwischen der polnischen Ekstraklasa und der 2. Bundesliga?
Rondic: „Der größte Unterschied liegt tatsächlich im Training. Die Einheiten hier in Deutschland sind deutlich intensiver als in Polen. Ansonsten habe ich keine gravierenden Unterschiede festgestellt. Das liegt aber auch daran, dass ich mit Daniel Mysliwiec einen Trainer hatte, der mich bestens auf den Schritt hierher vorbereitet hat. Er hat eine ähnliche Idee vom Fußball wie Gerhard Struber. Wir haben dort ein vergleichbares System gespielt, das zunächst auf die defensive Stabilität ausgelegt war. Dadurch wusste ich in vielen Spielsituationen bereits, wie ich mich zu verhalten habe. Das hat mir bei der Eingewöhnung enorm geholfen.“
Was wussten Sie vor Ihrem Wechsel nach Köln bereits über den FC?
Rondic: „Ich war immer schon fußballverrückt und kannte den FC daher schon seit meiner Kindheit. Ich wusste, dass es ein großer Klub mit unglaublichen Fans ist. Und ich kenne viele berühmte Spieler, die hier schon gespielt haben. Ich interessiere mich in erster Linie immer für die Stürmer des jeweiligen Vereins. Deshalb denke ich da an Anthony Modeste, dessen Nummer ich hier geerbt habe, und natürlich Lukas Podolski. Ich habe in Polen gegen ihn gespielt, aber ich hatte bisher noch nicht die Möglichkeit, mich mit ihm über den FC auszutauschen. Ich hoffe, dass ich künftig mal die Gelegenheit bekommen werde, ihn zu treffen.“
Sie spielen nun mit 26 Jahren erstmals in einem großen Fußballland, andere wagen den Schritt schon mit 18/19. Würden Sie sagen, Sie sind ein Spätstarter?
Rondic: „Zu meiner Zeit bei Slovan Liberec (Anm. d. Red.: 2020 bis 2023) in Tschechien hatte ich auch schon ein paar Angebote vorliegen. Der Klub wollte mich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht gehen lassen und dann kam auch noch Covid dazwischen. Ich bin dann schließlich nach Polen gegangen, um mich nochmal weiterzuentwickeln. Im Winter war dann der Moment für mich gekommen. Es gab mehrere Angebote aus Europa für mich und ich bin sehr glücklich, dass ich den Schritt zum FC gewagt habe.“
Warum haben Sie sich trotz anderer Angebote für den FC entschieden?
Rondic: „Es ist ein großer Klub, der in die Bundesliga zurück möchte. Die Perspektive, die mir hier aufgezeigt wurde, entsprach genau meinen Vorstellungen. Nun will ich helfen, dass wir unser gemeinsames Ziel erreichen. Wenn wir das schaffen, bekomme ich die Möglichkeit, mich mit den Besten in einer der besten Ligen Europas zu messen. Und das vor diesen Weltklasse-Fans. Ich bekomme sofort wieder Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie 50.000 Fans unsere Hymne singen. So eine Atmosphäre habe ich in keinem anderen Stadion bislang erlebt. Ich habe mein Leben lang genau für diese Momente gearbeitet.“
Mit dem Wechsel nach Deutschland wächst sicher auch die Aufmerksamkeit an Ihrer Person. Hat der bosnische Nationaltrainer sich schon bei Ihnen gemeldet?
Rondic: „Das Telefon hat noch nicht geklingelt (lacht). Ich würde mich aber sehr freuen, wenn er mich anruft.“
Damit könnte ein Kindheitstraum für Sie in Erfüllung gehen – Sie könnten gemeinsam mit Edin Dzeko spielen?
Rondic: „Wir sind beide im selben Viertel in Sarajevo aufgewachsen, haben dieselbe Schule besucht. Er war mein Idol in meiner Kindheit. Für mich würde sich ein Kreis schließen, wenn ich mal mit ihm zusammen auf dem Platz stehen könnte.“
Wie sind Ihre ersten Eindrücke von Köln, fühlen Sie sich bereits heimisch?
Rondic: „Ja, auf jeden Fall. Ich war tatsächlich mal hier, als ich in Prag gespielt habe. Bei einem Flug nach Sarajevo hatte ich einen sechsstündigen Stopover in Köln. Ich hatte echt lange Zeit und bin in die Stadt gefahren. Ich war echt beeindruckt und habe damals schon gedacht, wie schön es wäre, in so einer tollen Stadt zu leben. Und jetzt sitze ich hier. Das ist schon verrückt. Seit Montag habe ich auch endlich eine eigene Wohnung. Und Denis, Gazi und Dejo (Denis Huseinbasic, Jusuf Gazibegovic und Dejan Ljubicic, Anm. d. Red.) zeigen mir sehr viel. Sie, aber auch alle anderen Teamkollegen, haben mir den Start hier sehr einfach gemacht. Ab dem ersten Tag habe ich mich hier richtig wohlgefühlt.“