Prügel, Spott und Glanzlos-Kick„Bei aller Liebe“: Favorit noch nicht in EM-Form – auf und neben dem Platz

Die englischen Spieler bedanken sich nach dem Spiel  bei den Fans in Gelsenkirchen.

Die englischen Spieler bedanken sich nach dem Spiel am 16. Juni 2024 bei den Fans in Gelsenkirchen.

England startet zwar mit einem Sieg in die EM, doch nach dem Auftritt hagelt es Kritik. Auch einige englische Fans bekleckern sich nicht mit Ruhm.

von Antje Rehse  (are)

Spielt so ein EM-Favorit? England ist mit einem Arbeitssieg in die Europameisterschaft 2024 gestartet. Auf und neben dem Platz bekleckerte sich der Vize-Europameister nicht mit Ruhm. Es hagelt Kritik.

Vor allem ZDF-Experte Christoph Kramer (33) redete sich ob des konservativen Auftritts der Three Lions in Rage. „Das ist seit sechs, sieben Jahren so. Ich gucke mir jedes Mal England an, und weiß nicht, was sie machen wollen. Mit dem Kader erwarte ich mir, dass man drüberfährt“, sagte Kramer. „Das kann ja nicht der Anspruch sein, bei aller Liebe.“

Internationale Presse von England-Auftritt wenig angetan

Der Profi von Borussia Mönchengladbach betonte immer wieder, dass der Kader der Engländer einen Marktwert von 1,5 Milliarden Euro habe – und davon auf dem Platz kaum etwas zu sehen sei.

Alles zum Thema EM 2024

Beim 1:0 gegen Serbien glänzte nur Jude Bellingham (20) von Champions-League-Sieger Real Madrid. „Das Spiel war nicht Weltklasse. Nur Jude war Weltklasse. England muss viel besser spielen, wenn sie das Turnier gewinnen wollen“, sagte der ehemalige englische Bundesliga-Profi Owen Hargreaves (43) als Experte bei MagentaTV.

Auch die internationale Presse zeigte sich wenig begeistert. Die französische Zeitung „Le Parisien“ schrieb von einem „minimalistischen Sieg auf die buchhalterisch beste Weise“. In der Schweiz stichelte der „Tagesanzeiger“: „Müder Kick? Die Engländer schunkeln trotzdem mit.“

Die englischen Fans – sie gaben einen Fankurven-Gassenhauer nach dem anderen zum Besten, zeigten sich in der Arena auf Schalke von ihrer allerbesten Seite. Endlich, möchte man sagen.

Denn im Vorfeld des Spiels hatte es viel Unruhe um einen Teil des Anhangs von der Insel gegeben. Ein Fan lästerte über das „Drecksloch“ Gelsenkirchen und löste mit seinem gnadenlosen Spott eine hitzige Debatte auf Social Media aus.

In der Düsseldorfer Altstadt sangen englische Fans am Samstagabend den Schmähsong „10 German Bombers“, in dem es um abgeschossene deutsche Kampfflugzeuge im Zweiten Weltkrieg geht. Peter Both, Leitender Polizeidirektor in Gelsenkirchen, hatte vor dem Turnier noch an die englischen Fans appelliert, genau das nicht zu tun. „Das würde ich ihnen sagen: ‚Seid keine Idioten.‘“, wurde Both im „Telegraph“ zitiert. „Aber wenn sie so ein Lied singen möchten, kann ich das nicht ändern.“

Am Sonntag hatte er ohnehin andere Sorgen. Denn wie befürchtet leisteten sich Hooligans aus England und Serbien in der Innenstadt eine wilde Schlägerei. Es habe sieben Ingewahrsamnahmen serbischer Fans gegeben. Außerdem sei gegen einen Serben eine Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung gefertigt worden, teilte ein Polizeisprecher mit. Englische Fans seien nicht festgenommen worden.

Die Begegnung war als Hochrisikospiel eingestuft worden, die Polizei mit einem größeren Aufgebot als bei einem Ruhrpott-Derby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund im Einsatz.

Immerhin: Nach dem Sieg der Engländer blieb es ruhig, die Abreise der englischen und serbischen Fans verlief friedlich. Es sei aufgrund der vielen Fans teils zu „deutlichen Rückstauungen“ an einer Haltestelle am Stadion gekommen. Gravierende Probleme seien aufgrund des „besonnenen Verhaltens“ der Fans aber ausgeblieben, teilte die Polizei mit. 

Und so wurde schließlich auch noch Dermot O'Brien (44) erhört, der mit seinem 13 Jahre alten Sohn aus London nach Deutschland gereist war. „Zu einem England-Spiel zu reisen, stand auf seiner Wunschliste und jetzt ist er ein bisschen älter, also wollte ich ihm zeigen, wie das ist“, sagte der England-Fan der „Daily Mail“. „Es gibt dieses Stigma, dass englische Fans sich nicht benehmen, aber wir sind nicht alle so.“