NRW-Innenminister Herbert Reul empörte sich über die Choreo der FC-Fans beim Spiel gegen Düsseldorf. Nun reagiert der Kölner Sportausschuss-Vorsitzende.
„Sie als bekennender Fan von Bayer Leverkusen ...“Reuls Wutbrief an den FC: Kölner Politiker wundert sich
Die umstrittene Choreo des 1. FC Köln beschäftigt weiter die Politik. Vor dem Derby gegen Fortuna Düsseldorf präsentierte die Südkurve ein comicartiges Bild, auf dem eine finstere Gestalt mit FC-Krawatte die Glücksgöttin Fortuna mit einem Dolch bedroht.
Das geschmacklose Bild schlug hohe Wellen, rief sogar NRW-Innenminister Herbert Reul auf den Plan. Der CDU-Politiker schrieb einen bitterbösen Brief an die FC-Verantwortlichen.
Kölner Sportausschuss-Vorsitzender schreibt Offenen Brief an Reul
Reul nannte in seinem Brief das Motiv der Derby-Choreo „absolut deplatziert“ – in Zeiten „eines steigenden Aggressionspotenzials“, in denen „immer häufiger das Messer eingesetzt wird. Solche Signale konterkarieren den Einsatz Tausender Polizistinnen und Polizisten, die Tag für Tag auf der Straße – und im Übrigen auch vor den Stadien – gegen Gewaltkriminalität ankämpfen.“
Reul fuhr fort: „Sie als Verantwortliche eines Profi-Fußballvereins haben auch die Aufgabe, im Stadion für Sicherheit zu sorgen und sich im Rahmen der Fanarbeit für Deeskalation einzusetzen. Mir ist schleierhaft, wie sich dieser Auftrag mit der in diesem Fall getroffenen Entscheidung vereinbaren ließe.“ Er würde sich wünschen, schrieb Reul, „dass Sie die Verantwortung bei zukünftigen Entscheidungen dieser Art sehr ernst nehmen“.
Auch dem Vorsitzenden des Sportausschusses der Stadt Köln ist dieser Vorgang nicht entgangen. Und der wundert sich. In einem Offenen Brief richtete sich Oliver Seeck (SPD) nun seinerseits an den NRW-Innenminister. Auch er sei der Meinung, dass die Choreo vom Verein nicht hätte genehmigt werden dürfen, stellte der Lokalpolitiker zunächst klar. „Solche Darstellungen haben im Fußballstadion keinen Platz, da sie das ohnehin schon aufgeheizte Klima weiter anheizen können“, so Seeck.
„Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass diese Haltung unabhängig von der jeweiligen Vereinszugehörigkeit konsequent vertreten wird. In der Vergangenheit kam es bei mehreren Spielen in den Fankurven von Bayer 04 Leverkusen wiederholt zu Veröffentlichungen, die Anhängerinnen und Anhänger sowie den 1. FC Köln als Verein diskreditierten. Solche Vorkommnisse tragen ebenso wenig zu einem friedlichen Miteinander im Fußball bei.“
Seeck spielt auf die Tatsache an, dass Reuls Fußballherz – das ist kein Geheimnis – für die Werkself schlägt. „Daher interessiert mich, ob Sie in diesen Fällen ebenfalls mit einem offenen Brief an die Verantwortlichen von Bayer 04 Leverkusen herangetreten sind und Ihre berechtigten Sorgen über die Wirkung solcher Darstellungen geäußert haben“, so Seeck. „Als regelmäßiger Tribünengast und bekennender Fan von Bayer 04 Leverkusen haben Sie sicherlich einen besonderen Zugang zur Vereinsführung. Es wäre daher umso wichtiger, dass Sie auch dort auf die gleiche Konsequenz im Umgang mit problematischen Fanauswüchsen drängen, wie Sie es nun gegenüber dem 1. FC Köln getan haben.“
Reuls Sympathien für Bayer Leverkusen sorgen im Zusammenhang mit dem FC nicht zum ersten Mal für Ärger. Vor zwei Jahren war das Spiel des FC auf der anderen Rheinseite auf Wunsch der Leverkusener von einem Sonntag auf einen Freitag vorverlegt worden. Leverkusen wollte vor dem Europa-League-Halbfinale gegen die AS Rom eine längere Pause haben. Beim FC sorgte damals vor allem die Kommunikation für Verstimmungen – man sei als Letzter informiert worden, hieß es.
Auch Reul spielte bei der Verlegung eine Rolle. Wegen überzeugender Argumente habe er das Polizeipräsidium Köln gebeten, einen Antrag zur Vorverlegung des Derbys vom 7. auf den 5. Mai „wohlwollend“ zu prüfen, hatte Reul später im Innenausschuss erklärt. Es sei aber nicht so, dass er leidenschaftlicher Fan eines einzelnen Vereins sei, und er habe von der Verlegung auch gar nicht profitiert, weil er an dem Tag verhindert gewesen sei.
Damals gewann der FC überraschend in Leverkusen – eine nachträgliche Genugtuung. Nach der Choreo gegen Düsseldorf droht dem Verein aber womöglich noch ein Nachspiel. Denn der DFB-Kontrollausschuss hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und die Kölner zu einer Stellungnahme aufgefordert.